Hygienische  Wohlfahrtseinrichtungen.  79

„Auf  die  sehr  dankenswerte  Anregung  des  Turnleiters  für  die
hiesigen  Volksschulen  ist  im  Juli  1903  (in  den  Sommerferien)  Schülern
der  hiesigen  Volksschulen  unentgeltlich  Schwimmunterricht  erteilt
worden  von  6  schwimmkundigen  (zugleich  Turn-)Lehrern  der
hiesigen  Volksschulen,  die  ihre  freie  Zeit  in  den  Ferien  diesem  guten
Zwecke  freiwillig  und  unentgeltlich  zur  Verfügung  gestellt  hatten.

Die  Leitung  des  Schwimmunterrichts  führte  der  Leiter  des  Turnwesens.
  Von  diesem  wurden  die  6  Lehrer  vorher  mit  der  Methode
des  Massenunterrichts  im  Schwimmen  bekannt  gemacht;  ein  Lehrgang
  für  einen  derartigen  Betrieb  wurde  ihnen  vom  Leiter  eingehändigt.


Der  Magistrat  hatte  zu  dem  Zweck  die  unentgeltliche  und  ausschließliche
  Benutzung  der  städtischen  Badeanstalt  auf  Strohdeich  in
den  Juliferien  täglich  (mit  Ausnahme  der  Sonntage)  von  d—11  Uhr
vormittags  gestattet  und  die  zur  Anschaffung  von  Schwimmkarten,
Gerätschaften  usw.  erforderlichen  Kosten  bewilligt.

Im  ganzen  sind  von  den  6  Lehrern  240  Knaben  im  Schwimmen
unterwiesen  worden.  Beteiligt  haben  sich  8  Knaben-Volksschulen:
4  mit  je  20,  4  mit  je  40  Knaben  der  Oberstufe.  Knaben,  die  am
Schwimmunterricht  teilnehmen  wollten,  wurden  von  den  Rektoren
der  betreffenden  Schulen  nach  Einholung  der  Erlaubnis  der  Eltern
deım  Turnleiter  namhaft  gemacht,  der  alsdann  die  Badekarten  ausfertigte.


Die  Schüler  wurden  zunächst  im  „Trockenschwimmen“  geübt
und  kamen  hierauf  ins  Wasser.  Der  Massenunterricht  hat  sich  hierbei
als  möglich  erwiesen  und  gute  Erfolge  gezeitigt.  In  12  Stunden
haben  von  240  Schülern  bei  3  Stunden  wöchentlichem  Uhterrichte
147  schwimmen  gelernt,  sodaß  sie  sich  in  dieser  Kunst  selbständig
weiter  bilden  können,  während  die  übrigen  in  den  Übungen  zwar
vollständig  sicher  sind,  jedoch  ohne  Schwimmkapseln  das  Freischwimmen
  noch  nicht  gewagt  haben.

Allgemein  fiel  bei  der  Vorführung  der  Schuler  (Anfang  August
1%3)  nach  der  Beendigung  des  Ferienkursus  im  Schwimmen  dic
Sicherheit  und  Regelmäßigkeit  der  Schwimmbewegungen  auf.  Nach
diesem  wohlgelungenen  Versuche  des  Schwimmunterrichts  besteht
die  Absicht,  im  nächsten  Jahre  den  Schwimmunterricht  für  die
Danziger  Volksschulen  auch  für  die  Mädchen  zur  Einführung  zu
bringen.“

In  Frankfurt  a.  M.,  wo  Schwimmunterricht  für  Knaben  schon
in  den  vierzirrer  Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts  crteilt  wurde  und