Hygienische  \Vohlfahrtseinrichtungen.  31

Vorübungen  im  Trocknen  (Trockenschwimmen;  das  ist  z.B.  in
Dresden,  Hamburg,  Charlottenburg,  Elberfeld,  Frankfurt  a.  M.,
Hannover  der  Fall)  und  wird  dann  in  der  Abteilung  für  Nichtschwimmer
  im  freien  Wasser  oder  im  Bassin  als  Gruppen-  oder
Klassenschwimmen,  zunächst  unter  Zuhilfenahme  von  Blechkapseln
oder  Schwimmgürteln  aus  Kork,  dann  von  Schwimmleinen  mit  Gurten
fortgesetzt.

Den  Übungen  der  Schwimmbewegungen  im  Trocknen  dienen
verschiedene  Vorrichtungen,  besonders  die  Schwimmböcke,  auf  denen
die  Knaben  wagerecht,  in  Gurten  ruhend,  die  vorgeschriebenen  Armund
  Beinbewegungen  ungehindert  nach  Zählen  ausführen  können.
Nach  diesen  Vorbereitungen  geht  man  mit  den  Schülern,  welche  die
nötigge  Sicherheit  erlangt  haben,  zum  Schwimmen  im  tiefen  Wasser,
zu  den  verschiedenen  Arten  der  Sprünge,  zum  Tauchen  und  zu
Rettungsübungen  über.

In  bezug  auf  die  Bewertung  und  Handhabung  des  Schwimmunterrichts
  nimmt  die  Stadt  Hamburg  eine  ganz  eigenartige  Stelle
ein.  Dort  ist  der  Schwimmunterricht  zunächst  versuchsweise  wie  der
Turnunterricht  zu  einem  Lehrgegenstand  der  Volksschule  gemacht
worden.  In  einem  im  August  192  der  Hamburger  Ober-Schulbehörde
von  dem  Schulinspektor  H.  Fricke  erstatteten  Bericht,  dem  wir  die
folvenden  Angaben  entlehnen,  heißt  es:  „Schwimmen  ist  Turnen  im
Wasser.  Fast  die  ganze  Muskulatur  des  Körpers  wird  beim  Schwimmen
in  Bewegung  gesctzt.  In  erster  Linie  arbeiten  alle  Beuge-  und
Streckmuskeln  der  Gliedmaßen.  Die  regelmäßige,  kräftige  Bewegung
bedingt  ein  regelmäßiges,  energisches  Atmen.  Da  das  Schwimmtempo
  langsamer  als  das  Tempo  des  Atmens  ist,  auch  das  Atmen
unterbleiben  muß,  wenn  Nase  und  Mund  sich  unter  Wasser  befinden,
und  unterbleiben  wird,  wenn  das  Gesicht  die  Wasserfläche  berührt,
wie  beim  Vorwärtsbewegen  der  Arme  und  beim  Beugen  der  Beine,
so  werden  die  Atemzüge  langsam,  tiefgehend  und  energisch.  Die
Brust  weitet  sich  zu  ihrem  größten  und  preßt  sich  zu  ihrem  geringsten
Umfang  zusammen.  Die  kräftig  cingeatmete  Luft  ist  feucht  und
milde,  sie  dringt  bis  in  die  äußersten  Spitzen  der  Lunge.  Daraus
folgt  Stärkung  der  Brustmuskeln  und  der  Muskeln  des  Unterleibes,
energische  Blutverbrennung,  gesteigerte  Herztätigkeit  und  Blutzirkulation.
  Da  der  Kopf  das  eigentliche  Steuer  beim  Schwimmen
ist,  so  werden  ebenso  die  Nackenmuskeln  kräftig  angestrengt.  Alle
Übungen  geschehen  im  kühlen  Wasser,  das  in  den  hiesigen  Schwimmhallen
  auf  21—22°  C.  erwärmt  ist.  Auf  die  Weise  wird  cine  Er-6


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