82  Wohlfahrtseinrichtungen.

hitzung  des  Körpers,  die  sonst  mit  großer  Muskelanstrengung  verbunden
  ist,  vermieden.  Ein  weiterer  Vorteil  der  Bewegung  im  Wasser
ist  der,  daß  das  tiefe  Atmen  in  absolut  staubfreier  Luft  erfolgt.  Viele
Turnübungen  erfassen  nur  einzelne  Muskelpartien,  bald  rechts,  bald
links  im  Körper.  Alle  Schwimmübungen  aber  fördern  eine  symmetrische
  Ausbildung  des  Muskelsystems.  Die  Hautpflege  und  die
Schwimmbewegungen  im  kühlen  Wasser  erzeugen  im  Körper  ein  Gefühl
  der  Erfrischung.  Nervosität  und  Schlaffheit  kennen  die  Schwimmschüler
  nicht.  Der  Körper  wird  abgehärtet;  bevor  der  Schüler  sich
ankleidet,  muß  er  sich  kalt  abbrausen.

Aber  nicht  nur  für  die  Ausbildung  des  Körpers,  sondern  für
die  Erziehung  überhaupt  ist  der  Schwimmunterricht  von  großer  Bedeutung.
  Er  erzieht  zum  Mut,  zur  Energie  und  zur  Geistesgegenwart.
Knaben,  welche  anfangs  sich  scheuen,  ins  Wasser  zu  gehen,  und  vor
dem  ersten  Sprunge  in  die  Tiefe  zittern,  tauchen  am  Schlusse  des
Schwimmkursus  mit  Wonne  auf  den  Grund,  um  hineingeworfene
Gegenstände  oder  scheinbar  verunglückte  Mitschüler  heraufzuholen.‘

Zutreffender  kann  der  hohe  Wert  des  Schwimmunterrichts  für
die  Volksschule  gar  nicht  geschildert  werden.  Im  Schuljahr  1901/02
war  der  Schwimmunterricht  in  diesem  Sinne  bereits  in  27  Schulen,
von  denen  13  Schwimmhallen  und  14  Flußbadeanstalten  benutzten,
als  Teil  des  Turnunterrichts  eingeführt.  Auch  die  Methode  des  Hamburger
  Schwimmunterrichts  hat  ihre  lokalen  Eigentümlichkeiten;  sie
ist  an  Ort  und  Stelle  praktisch  erarbeitet  worden.  Man  bedient  sich
dort  nicht  der  Schwimmböcke,  sondern  benutzt  für  die  Vorübungen
im  Trocknen  die  Schwebebäume  der  Turnhalle.  Daß  auch  dieses
Verfahren  praktisch  brauchbar  ist,  davon  hatte  Verfasser  Gelegenheit,
  sich  durch  eigene  Anschauung  zu  überzeugen.

Die  folgende  Schilderung  bezieht  sich  auf  die  ersten  im  Sommer
1898  mit  Schülern  der  Schule  Moorkamp  3  von  dem  damaligen
Rektor  der  Schule  Fricke  selbst  in  der  Eimsbütteler  Volksbadeanstalt
vorgrenommenen  Übungen:

„Einige,  wenn  auch  nur  wenige  Schüler  konnten  nach  Beendigung
der  Übungen  im  Trocknen  sofort  schwimmen.  Im  Wasser  wurden  dann
die  Schüler  auf  einen  Kork  geschnallt,  und  je  8  Knaben  mufiten  gleichzeitig
  a  tempo  die  in  der  Turnhalle  gelernten  Bewegungen  im  flachen
Wasser  weiter  üben.  Nachdem  erst  cinige  Schwimmer  erzogen
worden  waren,  wurden  diese  zu  Vorschwimmern  (analog  den  Vorturnern)
  ernannt;  sie  mußten  die  Übungen  auf  dem  Kork  leiten.
Während  dieser  Zeit  wurden  die  Knaben  einzeln  ohne  Kork  vom