84  Wohlfahrtseinrichtungen.

lösbare  Aufgabe  sein,  die  Räume  der  Turnhalle  über  einem  Schwimmbassin
  von  nahezu  gleicher  Ausdehnung  anzulegen.

C.  Jugendspiele.  Der  Turnunterricht  für  Knaben  ist  in  Deutschland
  überall  ein  obligatorischer  Lehrgegenstand  der  Volksschule,
während  das  Mädchenturnen  in  der  Schule  noch  nicht  überall  durchgeführt
  ist.  Während  sıch  aber  das  schulmäßige  Turnen  zum  großen
Teile  auf  dem  Schulhofe  und  in  der  Turnhalle  abspielt  und  durch
Einhaltung  eines  bestimmten,  vorgeschriebenen  Lehrganges  und  die
Benutzung  der  Turngeräte  seinen  festen  Charakter  erhält,  hat  sich
besonders  in  den  letzten  30  Jahren  in  Deutschland  eine  freiere  Form
der  Leibesübung,  das  Jugendspiel  auf  freiem  Felde,  immer  mehr  cingebürgert
  und  ist  in  immer  engere  Verbindung  mit  der  Schule  getreten.
  Den  wichtigsten  Anstoß  zur  Ausbreitung.  der  bereits  an
einigen  Stellen  bestehenden  Einrichtung  der  Jugendspiele  für  Schüler
hat  in  Preußen  ein  Erlaß  des  Kultusministers  von  Goßler  vom  27.
Oktober  1882  gegeben.  Wenn  es  sich  in  dieser  hochbedeutsamen
amtlichen  Äußerung  auch  zunächst  um  die  dem  Turnunterricht  angegliederten
  Spiele,  die  eigentlichen  Turnspiele,  handelt,  so  wird  doch
auch  „des  Spieles  in  Verbindung  mit  gemeinschaftlich  zu  unternehmenden
  Spaziergängen  und  Ausflügen  in  Feld  und  Wald,  sowie  mit
Turnfahrten‘‘  empfehlend  gedacht  und  ebenso  auf  Schwimmen  und
Eislauf  hingewiesen.

Aus  dieser  Anregung  erwuchs  denn  nun  überall  in  Preußen  und
weiterhin  auch  in  Deutschland  ein  reges  Interesse  für  Jugendspiele.
Da  es  zunächst  vielfach  an  geeigneten  Leitern  für  die  Spiele  fehlte,
wurden  im  Jahre  1890  in  Görlitz  Unterrichtskurse  eingerichtet,  in
welchen  geeignete  Lehrer  von  Schulen  aller  Arten  methodische  Anweisung
  und  praktische  Anleitung  erhielten.  Diese  Kurse  fanden
großen  Beifall  und  lebhafte  Beteiligung.  Als  nun  im  folgenden  Jahre
1891  auf  Anregung  des  bereits  erwähnten,  auch  um  den  Handfertigkeitsunterricht
  für  Knaben  so  verdienten  Herrn  von  Schenckendorff
der  „Zentralausschuß  zur  Förderung  der  Jugend-  und  Volksspiele  in
Deutschland“  begründet  worden  war,  folgten  sehr  bald  viele  andere
deutsche  Städte  dem  Beispiel  der  Stadt  Görlitz  und  ließen  für  Lehrer
und  Lehrerinnen  Kurse  zur  Ausbildung  für  die  Leitung  von  Jugendspielen
  abhalten.  Unter  den  Orten,  welche  am  frühesten  Kurse
für  Lehrer  einrichteten,  sind  zu  nennen:  Altona,  Barmen,  Berlin,
Bonn,  Braunschweig,  Breslau,  Coburg,  Frankfurt  a.  M.,  Hadersleben,
  Hannover,  Karlsruhe,  Magdeburg,  München,  Osnabrück,  Posen,
Rendsburg,  Sonderburg,  Stuttgart.  Unterrichtskurse  für  Lehrerinnen