88  Wohlfahrtseinrichtungen.

„Um  ein  treues  Bild  von  dem  gesamten  Betriebe  zu  bekommen,
möge  hier  mit  wenigen  Worten  der  Spielbetrieb  eines  Tages  gezeichnet
  werden.  Nehmen  wir  gleich  den  ersten  Tag  der  Woche.
Es  ist  Montag.  Am  Morgen  suchen  abwechselnd  die  einzelnen
Klassen  aus  den  verschiedenen  Schulen  der  Umgegend  den  Platz
während  der  Turnstunden  auf.  In  den  Mittagsstunden  ist  der  Besuch
des  Platzes  oft  sogar  so  stark,  daß  der  Platzmangel  sich  fühlbar
macht.  Kaum  sind  die  Mittagsstunden  vorüber,  da  finden  sich  auch
schon  einzelne  Gruppen  zu  zwanglosem  Spiel  wieder  ein.  Die  ersten
sind  meistens  Knaben  der  nahe  gelegenen  Schule  Stiftstraße,  welche
wohl  täglich  mehrere  Gruppen  freiwilliger  Spieler  stellte.  Bald  finden
sich  andere  Gruppen  dazu.  Kapellenstraße,  Bürgerweide,  Steinhauerdamm,
  Münzstraße,  Borgesch  sind  vertreten.  Einige  kommen,
andere  gehen.  Überall  ist  der  Platz  besetzt.  Alle  Schüler  spielen
friedlich  nebeneinander.  Schüler  verschiedener  Schulen  tun  sich  zu
einer  Gruppe  zusammen  und  spielen  ruhig  miteinander  und  gegeneinander.
  Da  schlägt  es  5  Uhr;  der  Lehrer  erscheint.  Die  ofhizielle
Spielzeit  beginnt,  heute  für  die  Schule  Koppel.  Schon  kurz  vor
dieser  Zeit  haben  sich  Schüler  der  genannten  Schule  in  größerer
Zahl  eingefunden.  Ihnen  wird  vom  Lehrer  ein  geeigneter  Platz  angewiesen.
  Die  fremden  Spielergruppen  entfernen  sich  willig,  oder
falls  noch  Platz  vorhanden  ist,  stellen  sie  sich  gern  unter  die  Aufsicht
  des  ihnen  fremden  Lehrers.  Auch  der  Lehrerturnverein  benutzt
  heute  in  Gemeinschaft  mit  den  Seminaristen  den  Platz.  Um
61/,  Uhr  ist  die  ofhzielle  Spielzeit  zu  Ende.  Schon  seit  längerer  Zeit
weilen  auf  dem  Platze  Schüler  verschiedener  Schulen,  auch  höherer,
um  unter  Aufsicht  einiger  besonders  interessierter  Lehrer  Fußball  zu
spielen.  Kaum  werden  die  andern  Spicle  abgebrochen,  so  kommt
dieses  Spiel  zu  seinem  Recht.  Je  später  es  wird,  desto  größer  wird
die  Zahl  junger,  der  Schule  entwachsener  Leute,  welche  in  der  geschäftsfreien
  Zeit,  angeregt  durch  den  St.  Georger  Fußballklub,
dieses  Spiel  betreibt.  Erst  der  Eintritt  der  Dunkelheit  macht  dem
bunten  Bild  des  Spiellebens  cin  Ende.“

Am  konsequentesten  ist  wohl  in  München  das  Jugendspiel
durchgeführt  worden.  Nach  dem  Verwaltungsbericht  über  die
städtischen  Volks-  und  Mittelschulen  in  München  betrug  die  Gesamtsumme
  der  im  Sommer  1901  auf  25  Spielplätzen  (meist  Schulhöfen)
in  86  Spielgruppen  spielenden  Schüler  und  Schülerinnen  196.322.
Jede  Gruppe  spielte  durchschnittlich  27  Tage  bei  einer  Beteiligung
von  durchschnittlich  82  Kindern.  Die  Spiele  standen  unter  der  Auf-