Andere  Wohlfahrtseinrichtungen.  9

städtischen  Schuljugend  die  erziehliche  Wohltat  eines  längeren  Landaufenthalts
  gewährt  werden.  Diesen  Mangel  auszugleichen  und  einer
großen  Zahl  von  Schülern  und  Schülerinnen  großstädtischer  Volksschulen
  die  tausend  interessanten  Beobachtungen  zugänglich  zu
machen,  welche  nur  der  Aufenthalt  in  freier  Natur  zu  bieten  vermag,
  das  ist  die  Hauptaufgabe  der  Schülerausflüge.

In  fast  allen  großen  Städten  werden  zur  Sommerszeit  solche
Schülerausflüge  veranstaltet.  Das  sind  entweder  Spaziergänge  in  die
nächste  Umgebung,  welche  die  Dauer  eines  Tages  nicht  überschreiten
und  innerhalb  der  Schulzeit  abgehalten  werden,  oder  Veranstaltungen
in  den  Ferien,  regelmäßig  wiederkehrende  Wanderungen  nach  bestimmten
  Spielplätzen,  wo  dann  die  Kinder  auf  Kosten  der  Stadt
verpflegt  werden.  Ferienausflüge  dieser  letzteren  Art  sind  beispielsweise
  in  Schöneberg  bei  Berlin  seitens  der  Stadtverwaltung  zu  einer
dauernden  Einrichtung  gemacht  worden.

In  anderen  Orten  werden  mehrtägige  Ferienausflüge  mit  weiteren
Zielen  für  Volksschüler  veranstaltet.  So  sandte  in  Bremen  in  den
Sommerferien  1%1  Herr  F.  Mißler  drei  Wandergruppen  von  je
I5  Schülern  in  den  Harz  und  das  Wesergebirge;  in  den  beiden
folgenden  Jahren  wurden  von  demselben  Herrn  6  solcher  Schülerkolonien
  in  deutsche  Gebirge  entsandt.  Die  Leitung  der  Wandergruppen
  wurde  bremischen  Volksschullehrern  übertragen.

Die  wichtigste  Gruppe  unter  den  Schülerausflügen  bilden  allerdings
  nicht  jene  von  Privaten  für  eine  kleine  Klasse  von  Knaben  veranstalteten
  Spaziergänge  und  Reisen,  sondern  die  von  der  Schule
angeordneten  und  geleiteten  Ausflüge  ganzer  Schulklassen.  Nur  die
auf  solchen  Wanderungen  gesammelten  Erfahrungen  können  wirklich
systematisch  mit  dem  Schulunterricht  verknüpft  und  in  ihm  verwertet
werden.  Während  aber  die  jüngeren  Schüler  sich  auf  Spaziergänge
im  Innern  der  Stadt  oder  in  ihrer  nächsten  Umgebung  beschränken
müssen,  können  die  Oberklassen  der  Volksschulen  und  besonders  die
Knaben  sich  schon  schwierigere,  den  ganzen  Tag  ausfüllende  Ausflüge
  zumuten.  In  wirklich  systematischer  Weise  sind  in  München
durch  den  Lehrplan  für  den  Unterricht  in  der  Weltkunde  an  den
Werktagsvolksschulen  die  Schülerspaziergänge  dem  Organismus  des
Unterrichts  in  der  Heimatkunde  eingeordnet.  Nach  der  Betrachtung
des  Schulzimmers  und  des  Schulgrundstücks  wird  das  Kind  im
dritten  Schuljahre  in  den  Schulbezirk  durch  einen  Spaziergang  in  der
Schulhausstraße  und  ihren  nächsten  Querstraßen  eingeführt.  Dann
lernt  es  die  Altstadt  wiederum  durch  einen  Spaziergang  kennen;  ge-