92  Wohlfahrtseinrichtungen.

schichtliche,  wirtschaftliche  und  geographische  Belehrungen  knüpfen
sich  an  das  mit  eigenen  Augen  Erschaute.  Das  Kind  erhält  außer
den  Namen  der  Straßen  und  Plätze  die  erste  Kunde  von  der  Gründung
der  Entwicklung  und  gewissen  bemerkenswerten  Ereignissen  in  der
Geschichte  der  Stadt.  Es  besucht  den  Gemüsemarkt,  die  Fleischhallen
  und  den  Fischmarkt  und  erhält  Belehrung  über  die  Bedeutung
dieser  wirtschaftlichen  Anlagen.  Zur  Orientierung  über  die  gewonnenen
  Beobachtungen  dienen  von  dem  Kinde  anzufertigende
Faustskizzen.  Allmählich  überschreitet  man  das  Weichbild  der  Stadt
und  macht  in  den  ersten  schönen  Tagen  des  Frühlings  einen  Ausflug
in  das  nächste  Dorf.  Da  beobachtet  man  die  charakteristischen  Gebäude,
  die  Dorfkirche,  den  Friedhof,  den  Bauernhof,  das  Herrenschloß
  u.  dergl.;  man  achtet  auf  die  Beschäftigung  der  Bewohner,
die  Straßenbeleuchtung,  die  Gewinnung  des  Trinkwassers  und  erfährt
von  dem  Lehrer  das  Nötige  über  die  dörfliche  Gemeindeverwaltung.
Von  den  einfacheren  dörflichen  Verhältnissen  kehrt  man  wieder  in
die  Großstadt  zurück,  lernt  die  dortigen  entsprechenden  Einrichtungen
kennen  und  gewinnt  (selegenheit  zu  höchst  instruktiven  Vergleichen
zwischen  Stadt-  und  Landleben.  Die  nächsten  Ausflüge  gelten  der
Gewinnung  eines  weiteren  Überblicks  über  die  München  umgebende
l.andschaft.  Von  einer  Anhöhe  überschaut  man  das  Relief  des
Höhenzuges,  die  Bodenverhältnisse,  die  Bodenerzeugnisse  und  die
Bewässerung;  man  sieht  auf  die  Siedlungen  der  Menschen  hinab,  auf
die  Hütten  der  Arbeiter,  auf  Gärtnereien,  Milchwirtschaften,  Ziegeleien
und  Fabriken  und  lernt  im  Anschluß  daran  die  Erwerbsverhältnisse
der  Bevölkerung  kennen.  Aber  man  gewinnt  noch  eine  andere  Ausbeute
  bei  dieser  Wanderung:  Im  Walde  lernt  man  Eiche  und  Fichte
kennen,  sieht  das  muntere  Eichhörnchen  vorbeihuschen  und  findet
Gelegenheit,  von  den  Waldblumen  zu  pflücken  und  wohl  gar  cine
Waldanemone  mit  Wurzelstockballen  auszugraben,  um  sie  daheim
oder  im  Schulzimmer  zu  pflegen.

Die  nächste  (IV.)  Klasse  stellt  schon  wesentlich  höhere  Aufgaben.
  Hier  erstrecken  sich  die  Wanderungen  aufwärts  und  abwärts
ins  Isartal;  man  betrachtet  die  Landschaft  unter  höheren  Gesichtspunkten.
  Die  Bodenverhältnisse  werden  studiert,  Felsboden,  Sandboden,
  Lehm-  und  Ackerboden  kennen  gelehrt  und  auf  den  Zusammenhang
  zwischen  Bodenbeschaffenheit  und  Bodenbedeckung
(Buchwald,  Nadelwald,  Weidengebüsch,  Wiesen  und  Felder)  und  auf
die  wirtschaftlichen  Anlagen  der  Menschen  hingewiesen.  Der  Fluß
mit  seinen  Dammbauten,  \Wehren,  Schleusen,  Mühlen  und  llötfsen,