04  Wohlfahrtseinrichtungen.

ein  phantasiereicher  Schüler  hatte  den  Einfall  —,  daß  auch  Genua
und  Lissabon  ähnlich  liegen.  Bei  Schulau  sahen  wir  auch  am  rechten
Ufer  den  hohen  Geestrand  in  neblichte  Ferne  zurücktreten.  Flache
Marschen  auf  beiden  Seiten  fortan!  Wir  gedachten  der  Geschichte
ihrer  Entstehung,  ihrer  Leidensgeschichte  vor  ihrer  Eindeichung,  ihrer
niederdeutschen  Besiedlung,  ihrer  Fruchtbarkeit  und  ihres  jetzigen
Reichtums..  Am  südlichen  Ufer  begrüßten  wir  hinter  dem  hohen
Deiche  das  „Alte  Land“,  das  „Kirschenland‘‘  der  Hamburger,  das
über  Norddeutschland  nicht  nur,  sondern  auch  nach  Petersburg  und
London  seine  süßen  Früchte  schickt.  In  verschwindender  Ferne  der
Geestrand  im  Norden  erinnerte  uns  daran,  wie  auch  zur  Zeit  Karls
des  Großen  bis  dahin  alles  Land  bei  jeder  höheren  Flut  vollständig
unter  Wasser  stand.  Die  Türme  von  Stade  und  Brunshausen  glitten
vorbei.  Rechts  erschien  Glücksstadt:  wir  gedachten  mit  patriotischer
Genugtuung  der  langen  Händel  der  alten  Hamburger  mit  dem  Dänenkönig
  um  den  Glücksstädter  Zoll,  ihrer  ehrenvollen  Verteidigung  auf
der  Niederelbe  und  des  endlichen  Sieges  der  Hamburgischen  Politik.
Mehr  aber  als  alle  historischen  Erinnerungen  nahm  uns  das  lebendige
Treiben  auf  dem  Wasser  gefangen.

Unweit  der  Einfahrt  in  den  Kaiser-Wilhelm-Kanal  mit  ihren  gewaltigen
  Molenköpfen  lag  gerade  vor  Brunsbüttel  der  englischen
Königin  Lustjacht  „Viktoria  und  Albert‘  vor  Anker,  auf  ihrem  Top
die  königliche  Standarte  und  in  ihrer  Begleitung  der  Panzer  „Dido‘.
Es  hielt  die  Jungen  nicht:  sie  muiiten  der  hohen  Besucherin  das
„God  save  our  gracious  Queen“  hinübersingen!

Vor  Groden  ankerte  ein  Dampfer  der  ‚„Hamburg-Südamerikanischen
  Dampfschiffahrts-Gesellschaft“.  Die  gelbe  Flagge,  die  er
führte,  belehrte  uns,  daf5  er  vor  der  dortigen  Desinfektionsanstalt  in
(Juarantäne  lag.  —

Nach  3stündiger  Fahrt  sichteten  wir  Cuxhavens  hundertjährigen
Leuchtturm.  Meereswehen  umfing  uns,  Meeresleben  umbrandete
uns.  Ewer,  Kutter  und  Barkassen  in  großer  Zahl,  meist  im  Dienste
des  Austern-  und  Krabbenfanges,  große  Segler  und  kleine,  schmucke
Lustjachten,  Passagier-  und  Frachtdampfer,  Kriegsschiffe  aller  Typen,
von  den  gewaltigsten  Panzern  und  Schlachtschiffen  bis  zu  den  geschwinden
  Torpedobooten  und  den  zierlichen  Wachtbooten,  liefen  eın,
liefen  aus.

Wir  landeten  an  der  „Neuen  Liebe“.

An  den  großartigen  neuen  Empfangsbauten  der  „Hapag“  mit
ihrem  prächtigen  Portale  vorbei  galt  unser  erster  Besuch  dem  großen