Andere  Wohlfahrtseinrichtungen.  07

Kinderseehospiz“  sahen,  dem  so  mancher  bleiche,  schwächliche  Mitschüler
  in  der  kühlen,  feuchten,  salzhaltigen  Luft  eine  schnelle  Besserung
  verdankte,  nach  dem  Galgenberg,  der  alten  Hochgerichtsstätte.
Hier  hielten  wir  Umschau  über  Land  und  See  zwischen  Elb-  und
Wesermündung;  zu  unseren  Füßen  dehnte  sich,  von  unzähligen
Wetterungen  durchzogen,  bis  an  die  Elbe  das  Land  Hadeln,  der
Typus  der  Flußmarsch,  gegen  die  Nordsee  das  Land  Wursten,  das
Beispiel  einer  Seemarsch.

Nun  ging’s  durch  Brockeswalde  zum  „Schloß  Ritzebüttel“,  der
alten  Strandräuberveste  der  Herren  von  Lappe,  das  vor  über  500
Jahren  von  den  kriegerischen  Hamburgern  im  Sturm  genommen  wurde.‘
Auf  dem  Burghof  dort  zwischen  Schloß  und  Burggraben  und  Wall  und
den  alten  Kanonen  umgab  uns  ein  fast  unberührtes  Stück  Mittelalter.

Nach  kurzer  Rast  in  diesem  beschaulichen  Erdenwinkel  eilten
wir  durch  die  freundlich-ruhigen  Straßen  des  Fleckens  Ritzebüttel
nach  Cuxhaven  zurück.  Wenige  Minuten  nach  unserer  Ankunft  auf
dem  Ponton  der  „Neuen  Liebe‘  nahm  uns  die  „Silvana“  auf.  Auf
der  Rückfahrt  ging’s  stürmischer  zu  als  am  Morgen.  Der  Semaphor
zeigte  vier  seiner  Flügel,  der  Wind  peitschte  die  Wellen  über  das
Deck,  und  da  auch  die  Schleusen  des  Himmels  sich  auftaten  und  dem
Vorderdeck,  dem  uns  zugewiesenen  Aufenthalt,  das  schützende
Sonnensegel  fehlte,  so  erhielten  die  Jungen  die  Erlaubnis,  das  geschützte
  Hinterdeck,  die  Frachträume  des  Zwischendecks  und  die
Kajüten  zu  besuchen,  wo  sie  noch  ein  Stück  recht  eigentlichen  Schiffslebens
  miterlebten.  —

Als  wir  am  nächsten  Morgen  im  engen  Raum  des  Klassenzimmers
  uns  wiedersahen,  da  strahlte  soviel  Freude  und  Dank  und
Leben  aus  ihren  Augen,  wie  nie  zuvor.  Sie  hatten  damit  ein  Stück
von  der  Welt  geschaut!  Und  was  sie  erlebt  hatten,  das  wußte  ihr
Mund  jetzt  zehnmal  beredter  auszudrücken,  als  es  zehn  Stunden  Uhterricht
  ihnen  beizubringen  je  vermocht  hätten.“

In  allen  größeren  deutschen  Städten  werden  die  Schüler  in  die
am  Orte  bestehenden  Sammlungen,  die  historischen,  naturkundlichen
und  landwirtschaftlichen  Museen,  sowie  die  vorübergehend  am  Orte
stattfindenden  Ausstellungen  gleicher  Art  geführt.  In  den  Städten,
welche  einen  zoologischen  Garten  besitzen,  wird  gewöhnlich  mit  der
Direktion  ein  Abkommen  getroffen,  nach  welchem  den  Schülern  der
Volksschule  die  Besichtigung  entweder  unentgeltlich  oder  gegen  Entrichtung
  eines  geringen  Eintrittsgeldes  in  Begleitung  der  Lehrer  gestattet
  ist.

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich,  Ill.  Anhang.  7