08  Wohlfahrtseinrichtungen.

In  größeren  Städten,  wie  in  Berlin,  bieten  noch  andere  eigenartige
  Ausstellungen,  wie  das  Kolonial-Museum,  die  Urania,  die
Sternwarte  in  Treptow,  das  Aquarium  und  verschiedene  Panoramen
den  Schulkindern  eine  reiche  Fülle  der  Anregung  und  Belehrung  dar.
Freilich  ist  es  für  den  Lehrer  unter  Umständen  eine  schwere  und
verantwortungsvolle  Aufgabe,  eine  größere  Anzahl  von  durch  die
Neuheit  der  Situation  aufgeregten  Kindern,  deren  Augen  überall
umherschweifen,  durch  das  Straßengewühl  der  Großstadt  unversehrt
hindurchzuführen;  trotzdem  werden  wohl  in  allen  größeren  Städten
den  Kindern  im  Anschluß  an  den  Anschauungs-  und  Geschichtsunterricht
  die  historischen  Bauten  und  Denkmäler  der  Stadt  sowie
die  historisch  merkwürdigen  Orte  der  Umgegend  gezeigt.  Nicht
selten  werden  auch  öffentliche  Anlagen,  wie  Kanalbauten,  Wasserwerke,
  städtische  ‚Gasanstalten  oder  private  Werkstätten,  Fabriken,
Eisengießereien,  Bergwerke  und  Hüttenanlagen,  wenigstens  von  den
Schülern  der  Oberklassen  unter  Führung  ihrer  Lehrer  besichtigt.
Die  gewonnenen  Beobachtungen  werden  dann  nicht  selten  als  Aufgaben
  für  die  deutschen  Aufsätze  verwendet.

B.  Schulgärten,  Blumenpflege  durch  Schulkinder.  Die
für  den  botanischen  Unterricht  als  Anschauungsobjekte  erforderlichen
Pflanzen  sind  auf  dem  Lande  und  in  kleineren  Städten  im  allgemeinen
ohne  große  Mühe  zu  beschaffen.  Wald  und  Feld,  Acker  und  Wiese
und  der  Gemüse-  und  Obstgarten  des  Lehrers  bieten  das  erforderliche
Material  in  genügender  Reichhaltigkeit  dar.  Schwieriger  ist  seine
Beschaffung  in  großen  Städten  und  zugleich  notwendiger,  da  es  den
Kindern  bei  dem  Mangel  an  Hausgärten  oft  gänzlich  an  Kenntnissen
und  Anschauungen  vom  Leben  der  Pflanzen  mangelt.

Um  die  Schulen  mit  diesem  botanischen  Anschauungsmaterial
zu  versehen,  hat  man  in  verschiedenen  Großstädten  umfangreiche
Gärten  angelegt,  in  denen  die  im  Unterricht  zu  behandelnden  Pflanzen
gezogen  und  den  Schulen  nach  Bedürfris  geliefert  werden.  Solche
Zentralschulgärten  bestehen  seit  Mitte  der  siebziger  Jahre  des  19.
Jahrhunderts  in  einer  großen  Zahl  von  deutschen  Städten,  so  in  Berlin
im  Humboldthain  seit  1875,  in  Magdeburg  seit  1879,  in  Leipzig,
Breslau,  Mannheim,  Dortmund,  Cöln  a.  Rh.,  Altona,  Karlsruhe,  Elberfeld,
  Hannover,  Chemnitz*)  usw.

Größe  und  Anlage  dieser  Zentralschulgärten  sind  nach  den  Bedürfnissen
  des  Ortes  und  den  zur  Verfügung  stehenden  Grundstücken

*,  Vgl.  den  Artikel  „Schulgärten“  in  Reins  „Encyklopädisches  Handbuch  der
Pädagogik“.