102  Wohlfahrtseinrichtungen.

formen,  die  Blüten  und  Früchte,  die  Bäume,  Gartengeräte,  Lauben
und  dergl.  bieten  wundervolle  Objekte  für  den  Zeichenunterricht.

Die  Belehrungen  im  Schulgarten  sind  durchweg  anschaulich  und
finden  im  Freien  statt  und  hinterlassen  um  dieser  Eigenart  willen
mancherlei  tiefe  und  nachhaltige  Eindrücke  im  Geist  und  Gemüt  des
Kindes.

Eins  der  wertvollsten  Resultate  dieser  Beschäftigung  mit  den
Pflanzen  pflegt  ein  tieferes  Verständnis  und  eine  innige  Liebe  für  das
Walten  der  Naturkräfte  zu  sein.  Dem  Kinde,  ın  dessen  Herzen
diese  Empfindungen  einmal  wachgerufen  sind,  ist  damit  eine  neue:
CJuelle  reiner  Genüsse  eröffnet,  die  Freude  an  den  Schönheiten  der
es  umgebenden  Natur.

In  einem  etwas  anderen  Sinne  ist  die  Beschäftigung  mit  Gartenbau
  in  jenen  Anlagen  ausgebildet  worden,  die  man  mehr  als  Gartenbaukolonien
  für  Schulkinder  bezeichnen  möchte.  Das  sind  Felder,
auf  denen  sich  Schüler  oder  Schülerinnen  an  gewissen  Nachmittagen
unter  Aufsicht  der  Lehrer  mit  der  Bebauung  ihnen  zugewiesener
Beete  beschäftigen.  Verfasser  hatte  Gelegenheit,  eine  derartig«
Kolonie  auf  den  Gabitz-Äckern  in  Breslau  kennen  zu  lernen,  und
gewann  von  dem  frohen  Eifer,  mit  dem  die  Schüler  Spaten,  Hacke
und  Gießkanne  gebrauchten  und  Früchte  und  Gemüse  ernteten,  den
besten  Eindruck.

Ein  amtlicher  Bericht  sagt  über  diesc  Breslauer  Einrichtung:
„Der  im  Jahre  1898  in  kleinem  Umfange  gemachte  Versuch,  mit
reiferen  Knaben  aus  den  städtischen  Volksschulen  Gartenbau  zu
treiben,  hatte  solche  erfreulichen  Erfolge,  daß  die  städtischen  Behörden
  von  Jahr  zu  Jahr  durch  Bereitstellung  geeigneter  Ländereien
und  Mittel  diesen  gesunden,  sowohl  auf  den  Körper  als  auch  auf  das
Gemüt  der  Jugend  günstig  wirkenden  Unterrichtszweig  förderten.  So
arbeiteten  im  vergangenen  Sommer  unter  der  Leitung  fachkundiger
Lehrer  auf  4  großen,  in  verschiedenen  Teilen  der  Stadt  gelegenen
Gartenflächen  von  750  +  1600  +  1732-+2000  qm  Größe  insgesamt
556  Knaben  aus  35  Volksschulen,  indem  jeder  Knabe  eine  Fläche
von  6—7  qm  selbständig  bebaute,  aber  auch  den  Ertrag  sein  eigen
nennen  konnte.  Außerdem  wurde  auf  jeder  Station  ein  größeres
Stück  I.and  von  allen  Knaben  gemeinsam  bebaut.  Der  Anbau  erstreckt
  sich  hauptsächlich  auf  Gemüse,  Beerensträucher  und  Blumen.
Abgeschen  von  den  ersten  Einrichtungskosten  stellen  sich  die  Unterhaltungskosten
  auf  etwa  7—B  Pfennige  für  das  Quadratmeter  und
Jahr.  Die  erforderlichen  Geräte  werden,  soweit  die  Knaben  nicht