104  Wohlfahrtseinrichtungen.

Zeit  zu  Zeit  austeilen,  so  wird  auch  dadurch  in  denselben  der  Trieb
zur  Blumenpflege  geweckt  werden.“

Nicht  selten  haben  Gartenbauvereine,  wie  in  Erfurt,  zuerst  die
Blumenpflege  durch  Schulkinder  angeregt;  in  den  meisten  Fällen
sorgen  sie  für  unentgeltliche  oder  sehr  billige  Lieferung  der  erforderlichen
  Topfgewächse,  während  die  Lehrer  die  Beaufsichtigung  der
Pflege  übernehmen.  Als  Städte,  in  welchen  die  Pflege  von  Blumen
in  Töpfen  durch  Schulkinder  besonders  gefördert  wird,  mögen  hier
Erfurt,  Breslau,  Lübeck,  Hannover,  Danzig,  Berlin,  Mannheim  genannt
werden.

Im  Sommer  1902  gelangten  in  Berlin  durch  den  Verein  zur
Förderung  der  Blumenpflege  bei  Schulkindern  an  65  Schulen  im
ganzen  über  16000  Pflanzen  teilweise  unentgeltlich  zur  Verteilung.
Auch  von  der  städtischen  Parkdeputation  wurde  der  Verein  durch
Lieferung  einer  großen  Anzahl  von  Stecklingen  unterstützt.  Unter
den  besonders  bevorzugten  Gewächsen  nennt  der  Jahresbericht
Myrten,  helmbuschblütige  Akazien,  Fuchsien,  Pelargonien,  Eukalyptus,
  Heliotrop  u.  a.  m.  Eine  Verteilung  von  Preisen  findet  in
Berlin  nicht  statt;  in  anderen  Städten,  wie  ın  Erfurt  und  Hannover,
wird  die  Ausgabe  der  Stecklinge  —  und  man  wählt  hierzu  möglichst
gleichmäßig  entwickelte,  für  die  Zwecke  eigens  vorbereitete  Pflanzen,
die  zur  Ausführung  sicherer  Kontrolle  mit  Plomben  versehen  sind  —
mit  einer  gewissen  Feierlichkeit  betrieben.  Dieselbe  findet  im  Mai
statt;  im  August  oder  September  folgt  dann  in  Anwesenheit  eines
größeren  Publikums  von  Interessenten  und  der  Behörden  die  Ausstellung
  und  Prämiierung  der  Pflanzen.  Ein  aus  Gärtnern,  Lehrern
und  Gartenfreunden  bestehendes  Komitee  verteilt  die  Preise.  Diese
bestehen  entweder  in  Diplomen,  silbernen  oder  bronzenen  Medaillen,
schönen  Pflanzenexemplaren,  Gartengeräten  oder  auf  den  Pflanzenbau
bezüglichen  Büchern.  Diese  Veranstaltungen  gewinnen  immer  mehr
das  Interesse  weiterer  Kreise  der  Bevölkerung;  der  Besuch  dieser
Ausstellungen  durch  Kinder  und  Erwachsene  pflegt  ein  recht  lebhafter
  zu  sein.

C.  Die  Pflege  der  Kunst  in  der  Schule.  Im  letzten  Jahrzehnt
  ist  in  Deutschland,  angeregt  besonders  durch  die  Bemühungen
der  Hamburger  Lehrerschaft,  das  Bestreben  hervorgetreten,  die
Leistungen  der  Kunst  den  Schulkindern  näher  zu  bringen  und  die
Schule  der  so  lange  vernachlässigten  oder  nicht  genügend  gepflegten
ästhetischen  Erziehung  des  Volkes  dienstbar  zu  machen.

Die  leitenden  Gesichtspunkte  der  neuen  Richtung  werden  von