Andere  \Wohlfahrtseinrichtungen.  107

wirkte,  haben  sich  hie  und  da  bereits  Vereine  unter  ihrem  Namen
grcbildet,  die  ihre  Überlieferung  pflegen.

Auf  dem  festen  Untergrund  der  Liebe  zur  Heimat  und  ihres
wachsenden  Verständnisses  ist  sodann  das  nationale  Wesen  zu  pflegen.
Wer  die  Schule  verläßt,  muß,  soweit  seine  Fähigkeiten  reichen,  Anschluß
  an  die  großen  Dichter  und  Künstler  unseres  Volkes  gefunden
haben,  Anschluß  mit  dem  Herzen,  und  es  muß  in  ihm  das  Bedürfnis
  nach  unmittelbarem  Verkehr  mit  ihren  Werken  lebendig  geworden
  sein.  Die  Schule  soll  nicht  satt,  sie  soll  hungrig  machen.

Alles,  was  gelernt  und  gelehrt  und  an  Kräften  erworben  wird,
muß  durch  das  Gefühl  in  den  Dienst  der  höheren  Entwicklung  unseres
Volkes  gestellt  werden.  jeder  muß  sich  verpflichtet  fühlen,  an  der
Vertiefung  und  Veredelung  unseres  Volkscharakters  mitzuarbeiten,
und  zwar  indem  er  nicht  bei  den  andern,  sondern  bei  sich  selber
anfängt.

In  solchem  Boden  gepflegt,  werden  Vaterlandsgefühl,  Volksbewußtsein,
  Nationalstolz,  Patriotismus  und  wie  wir  die  Äußerungen
des  einen  tiefen  Gefühls  der  Zugehörigkeit  nennen  mögen,  in  dessen
Entwicklung  wir  Deutschen  noch  hinter  unsern  Nachbarn  zurückgeblieben
  sind,  sich  als  aufbauende  und  gestaltende  Lebensmächte
wirksam  erweisen,  die  nicht  nur  an  seltenen  Schicksalstagen  fieberhaft
  aufwallen,  sondern  auch  an  allen  Werktagen  still  und  stark  an
der  Arbeit  sind.“

Es  ist  hier  nicht  der  Platz,  auf  eine  Erörterung  dieser  Grundgedanken
  einzugehen.  Dieselben  haben  in  Deutschland  sowohl  in
den  Kreisen  der  Lehrer,  wie  in  denen  der  Künstler  und  Gelehrten,
ja  selbst  bei  den  Verwaltungsbehörden  lebhaften  Wiederhall  gefunden.
In  ganz  Norddeutschland  vollzieht  sich  auf  der  Basis  der  neuen  Ideen
schon  jetzt  eine  Umgestaltung  des  Zeichenunterrichts.  Auf  die
wesentlichen  neuen  Gesichtspunkte  ist  bei  Gelegenheit  der  Besprechung
  des  Berliner  Zeichenlehrplanes  bereits  hingewiesen  worden.

Unter  Mitwirkung  des  Professors  Lichtwark  und  anderer  Künstler
und  Gelehrten  ist  eine  Vereinigung  entstanden,  welche  es  sich  zur
Aufgabe  stellt,  in  Zwischenräumen  von  2  Jahren  Kunsterziehungstage
einzuberufen.  Zu  diesen  Veranstaltungen  werden  die  Mitglieder  der
Schulverwaltungen  und  .  Schulaufsichtsbehörden,  Schulmänner,  Vertreter
  der  größeren  Lehrer-  und  Lehrerinnen-Vereine,  Männer  und
Frauen  der  Literatur,  der  Presse  und  Kritik  sowie  andere  Freunde
der  Volkserziehung  eingeladen.  Es  haben  bisher  zwei  solcher  Kunsterziehungstage
  stattgefunden:  Der  erste  im  September  1901  in