Andere  Wohlfahrtseinrichtungen.  109

schönen  Punkte  in  der  Umgegend  verbunden.  Die  Eltern  der  Schulkinder
  schließen  sich  an,  und  aus  dem  Schulfest  wird  ein  eigentliches
Volksfest,  an  dem  jung  und  alt  mit  gleicher  Begeisterung  teilnehmen.
Zu  den  Veranstaltungen  solcher  Sommerfeste  gehören  als  regelmäßige
Bestandteile  turnerische  Übungen,  Wettkämpfe,  Reigen  der  Mädchen,
Gesang  und  Spiel.  Kaisers  Geburtstag  und  andere  Feste,  welche  im
Winter  gefeiert  werden,  spielen  sich  natürlich  in  geschlossenem  Raume
ab.  Die  Aula,  der  Gesangsaal  oder  die  Turnhalle  prangen  dann  im
Schmucke  von  Fahnen  und  Guirlanden.  Außer  den  üblichen  Ansprachen
  des  Rektors  und  der  Lehrer  wechseln  Lieder  der  Schülerchöre
  mit  dem  Vortrag  von  patriotischen  Gedichten  und  gelegentlich
auch  kleineren  Aufführungen  durch  Schulkinder  ab.

Besonders  feierlich  gestalten  sich  solche  Feste,  wenn  es  sich  um
ein  Jubiläum  des  Herrschers  oder  ein  anderes  frohes  Ereignis  in
seinem  Hause  handelt.  Dann  werden  wohl  gemeinsame  Feiern  aller
Schulen  der  Residenz  veranstaltet,  und  das  junge  Volk  der  Schüler
und  Schülerinnen  darf  sich  in  dem  Thronsaale  dem  Herrscher  mit
seinen  Huldigungen  nahen.

Neben  diesen  nationalen  Feiern  spielt  in  vielen  Schulen  das
Weihnachtsfest  eine  hochbedeutsame  Rolle.  In  welcher  Weise  dasselbe
  mit  seinen  Gaben  unter  Umständen  dazu  beiträgt,  die  Not  der
bedürftigen  Schulkinder  zu  lindern,  darauf  ist  bereits  an  einer  früheren
Stelle  hingewiesen  worden.  Im  allgemeinen  spielen  die  Geschenke
bei  den  Weihnachtsfeiern  deutscher  Volksschulen,  wenn  man  von
einigen  Pfefferkuchen,  Äpfeln  und  Nüssen  absieht,  eine  unbedeutende
Rolle.  Die  Lehrer  und  Lehrerinnen  ziehen  es  in  den  meisten  Fällen
vor,  ihnen  zufließende  oder  von  ihnen  erbetene  milde  Gaben  für  die
ärmsten  Kinder  nicht  in  öffentlicher  Feier,  sondern  im  geheimen  zu
verteilen.  Auch  ohne  wertvolle  Geschenke  verfehlt  die  Weihnachtsfeier
  in  der  Schule  selten  ihren  tiefen  Eindruck  auf  die  Kinder.  Die
Schüler  und  Schülerinnen  versammeln  sich  in  der  Aula,  auf  einem
Tische  steht  der  mächtige,  fast  bis  zur  Decke  reichende,  von  Lichtern
funkelnde  Weihnachtsbaum,  auf  langen  Seitentischen  sind  Schüsseln
mit  Pfefferkuchen,  Äpfeln  und  Nüssen,  für  jedes  Kind  seine  Portion,
aufgestellt,  und  nun  beginnt  das  eigentliche  Programm  der  Feier.  Die
frohe  Botschaft  von  der  Geburt  des  Christkindleins  wird  gewöhnlich
von  einem  ganz  kleinen  Bürschchen  oder  Mädchen  in  aller  Einfalt
der  kindlichen  Sprache  erzählt;  dann  klingen  die  Lieder:  „Vom
Himmel  hoch  da  komm  ich  her“  —  ,O  du  fröhliche,  o  du  selige,
gnadenbringende  Weihnachtszeit“  —  „Lobt  Gott,  ihr  Christen,  allzu-