110  Wohlfahrtseinrichtungen.

gleich“  —  „Stille  Nacht,  heilige  Nacht“  —  und  dazwischen  mischen
sich  dann  die  mehr  volkstümlichen  Kinderlieder:  „Am  Weihnachtsbaum
  die  Lichter  brennen“  —  „Die  Nacht  vor  dem  heiligen  Abend“

„Morgen,  Kinder,  wird’s  was  geben“  —  „Ich  bin  der  kleine
Weihnachtsmann“  und  viele  ähnliche.  Vor  der  eigentlichen  Bescherung
  tritt  dann  wohl  der  Knecht  Ruprecht  im  Pelzmantel,  mit
der  Pelzkappe  auf  dem  Kopf  und  dem  Sack  mit  Spielwaren,  aber
auch  mit  Ruten  auf  dem  Rücken,  hervor,  um  ein  neckisches  Verhör
mit  den  artigen  und  unartigen  Schülern  abzuhalten.  Dann  kommt
der  von  allen  Kindern  längst  ersehnte  Abschluß  und  Glanzpunkt  der
Feier:  die  Bescherung,  und  freudestrahlend  und  mit  leuchtenden  Augen
verlassen  sie  das  Schulhaus,  um  ihren  Eltern  die  erhaltenen  Gaben
zu  zeigen.

Außer  dem  Weihnachtsfest  bieten  noch  gewisse,  auf  die  einzelnen
Konfessionen  beschränkte  Feiern,  wie  das  Fronleichnamsfest  und
andere  in  katholischen  Schulen,  das  Reformationsfest  in  evangelischen,
Anlaß  zu  Veranstaltungen  in  den  öffentlichen  Volksschulen  des  betreffenden
  Bekenntnisses.

Außer  den  an  gewissen  Tagen  wiederkehrenden  allgemeinen
Schulfeiern  pflegen  viele  Volksschulen  auch  noch  besondere  Zusammenkünfte
  zu  veranstalten,  welche  dazu  dienen  sollen,  die  Beziehungen
  zwischen  der  Schule  und  dem  Elternhause  enger  zu
knüpfen.  In  manchen  Gegenden  werden  diese  öffentlichen  Schulprüfungen
  oder  Elternabende  behördlich  angeordnet;  sie  sind  entweder
  eigentliche  öffentliche  Prüfungen,  welche  in  der  Schulzeit  (vormittags)
  stattfinden  und  den  Eltern  der  Schulkinder  Gelegenheit  zu
einem  Einblick  in  den  Schulbetrieb  bieten  sollen,  oder  Zusammenkünfte
  am  Nachmittag  oder  Abend,  welche  den  Charakter  der  Prüfung
bereits  eingebüßt  haben.  Die  eigentlichen  Schulprüfungen  haben  sich,
wenigstens  in  den  großen  Städten,  als  Bindeglied  zwischen  Haus  und
Schule  schon  deshalb  nicht  immer  bewährt,  weil  die  Eltern  der
Schulkinder,  die  zum  allergrößten  Teil  den  arbeitenden  Klassen  angehören,
  sich  nur  selten  am  Vormittag  eines  Wochentags  frei  machen
können,  und  weil  auch  das  mehrstündige  Anhören  von  schulmäßigen
  Lektionen  für  sie  kaum  ausreichendes  Interesse  bietet.

Der  Besuch  dieser  öffentlichen  Prüfungen  war  daher  oft  recht
schwach,  und  man  ist  beispielsweise  in  Berlin  von  einer  derartigen
Veranstaltung  abgegangen  und  hat  an  ihrer  Stelle  andere  Zusammenkünfte
  (Elternabende)  eingerichtet,  die  den  Charakter  der  Prüfung
nicht  mehr  an  sich  tragen  und  am  Nachmittag  oder  Abend  veran-