Andere  Wohlfahrtseinrichtungen.  113

Knaben  und  Mädchen,  welcher  sich,  nachdem  bereits  eine  Vorstellung
mit  gutem  Erfolge  vorhergegangen  war,  am  Sonntag,  den  8.  März  1903,
vormittags  in  den  weiten  Räumen  des  Zirkus  versammelte;  bald  gemeinsam,
  bald  Knaben  und  Mädchen  gesondert,  trugen  die  Kinder
4stimmige  Volkslieder  vor.  Die  Aufführung  fand  ihre  besondere  Weihe
dadurch,  daß  Ihre  Majestäten  der  Kaiser  und  die  Kaiserin  sowie  zahlreiche
  Prinzen  und  Prinzessinnen  des  Kgl.  Hauses  und  viele  hohe
Staatsbeamte  erschienen  und  von  den  Gesangvorträgen  sichtlich  in
hohem  Maße  befriedigt  waren.  Eine  Berliner  Zeitung  berichtet  über
den  Verlauf  der  Aufführung:  „Gleich  nach  Erscheinen  des  Hofes  gab
der  Dirigent,  Herr  A.  Zander,  das  Zeichen  zum  Beginn,  und  die
junge  Sängerschar  stimmte  die  Hymne  „Heil  Dir  im  Siegerkranz“
an,  welche  von  den  Anwesenden  stehend  angehört  wurde.  Der
darauf  folgende  Choral  „Lobe  den  Herren“  wurde  in  präziser  und
weihevoller  Weise  zu  Gehör  gebracht.  Auch  der  Chor  „Glorreich
auf  dem  Erdenrunde“  von  E.  Sabbath  wurde  fehlerlos  gesungen.
Die  beiden  vierstimmigen  Chöre  „An  den  Gesang“  und  „Im  Maien“
sangen  die  Mädchen  allein.  Die  Knaben  sangen  sehr  hübsch  das
altniederländische  Volkslied  „Wohl  sehr  glücklich  ist,  wer  zu  sterben
weiß,“  und  nach  dem  Chor  „Zu  Straßburg  auf  der  Schanz‘“  von
F.  Silcher  gab  es  einen  brausenden  Applaus.  Auf  Wunsch  des  Kaisers
mußte  dieser  Chor  wiederholt  werden.  Den  Höhepunkt  der  gesanglichen
  Leistung  erreichten  dieKnaben  mitdem  Vortrag  des  vierstimmigen
Volksliedes  „Auf  die  Schlacht  bei  Torgau“.  Die  beidenRezitativs,  die  der
vorletzten  undletztenStrophevorausgehen,  wirkten  beinahe  sensationell,  —
es  wird  selten  eine  Sängergemeinde  geben,  welcheeinederartige  Leistung
bieten  kann.  Auch  der  Vortrag,  der  Tempowechsel  und  die  gesangliche
  Leistung  dieses  Liedes  waren  brillant.  Dieses  Lied  mußte
ebenfalls  wiederholt  werden.  Der  „Frühlingschor‘“  von  Mendelssohn-Bartholdy
  wurde  mit  großer  Wärme  vorgetragen.  Das  feinfühlige
Volkslied  „Sandmännchen“  sangen  die  Mädchen  sehr  gut,  doch  reichen
ihre  Leistungen  in  bezug  der  Pianissimi  nicht  an  die  der  Knaben
heran.  Im  Zöllnerschen  Chor  „Das  Wandern  ist  des  Müllers  Lust“
hatte  man  Gelegenheit,  die  herrlichen  Sopranstimmen  der  Knaben  zu
bewundern.  Der  gemeinsame  Chor  „Hurra  Germania“  von  W.  Greef
bildete  den  Schluß  des  Programms.  Eine  besondere  Ovation  wurde
durch  ein  dreimaliges  Hoch  dem  Kaiserpaare  gebracht.  Der  Kaiser
erwiderte  mit  einem  Hurra,  in  das  alle  Anwesenden  ebenso  begeistert  einstimmten.
  Das  Empfangskomitee  sowie  der  Dirigent  wurden  vom
Kaiserpaar  durch  Ansprachen  ausgezeichnet.‘

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  Ill.  Anhang.  8