114  \Wohlfahrtseinrichtungen.

Im  ganzen  waren  die  ersten  Klassen  bezw.  die  ersten  Gesangklassen
  von  26  Schulen  beteiligt  und  zwar  nicht  bloß  die  Eliteschüler,
sondern  alle  mit  Ausnahme  der  ganz  unmusikalischen.  Drei  Aufführungen
  fanden  in  diesem  Jahre  (1903)  statt,  und  doch  konnten
lange  nicht  alle  Wünsche  nach  Eintrittskarten  befriedigt  werden.
Trotz  des  sehr  niedrig  bemessenen  Eintrittsgeldes  haben  die  Kinder
über  6000  M.  für  die  Knaben-  und  Mädchenhorte  Berlins  zusammengesungen.
  Natürlich  hat  auch  je  ein  Angehöriger  der  mitwirkenden
Kinder  Gelegenheit  erhalten,  ohne  Entgelt  den  Gesang  zu  hören.

c)  Pflege  der  bildenden  Kunst.  Es  ist  ein  umfangreiches
Gebiet  der  künstlerischen  Schöpfungen,  welches  der  Schule  und  den
Schulkindern  durch  die  Einführung  der  Pflege  der  bildenden  Kunst
neu  eröffnet  werden  soll,  und  es  sind  verschiedene  Wege,  auf  denen
man  dieses  Ziel  zu  erreichen  versucht  hat.  An  die  bisherige  Entwicklung
  des  Schulunterrichts  knüpft  die  Reform  Jder  Schulmethoden
des  Zeichnens  an.  Neben  der  Fähigkeit,  reale  Dinge  zu  sehen,  wie
sie  sind,  und  der  weiteren  Fähigkeit,  sie  ihrer  Gestalt  nach  mit  dem
Stift  wiederzugeben,  soll  aber  noch  ein  tieferes  Verständnis  der
äußeren  Formen,  eine  reine  Empfänglichkeit  und  ein  lebendiges  Interesse
  an  ihrer  Schönheit  und  die  rechte  Lust  am  künstlerischen
Schaffen  in  den  Kindern  wachgerufen  werden.  Zu  diesem  Zwecke
müssen  die  ethisch-ästhetischen  Momente  des  Zeichenunterrichts  durch
die  Betrachtung  von  Kunstwerken  erweitert  und  vertieft  werden.
Schon  das  moderne  Schulhaus  soll  in  dem  Kinde  tiefe  ästhetische
Eindrücke  hervorrufen,  aber  diese  Eindrücke  sollen  besonders  durch
die  Betrachtung  seiner  inneren  Ausstattung  mit  Gemälden,  Statuen
und  anderen  Kunstgegenständen  erzeugt  werden;  dasselbe  Ziel  sollen
dann  Besuche  in  den  öffentlichen  Museen,  Gemäldegalerien  und
Kunstsammlungen  verfolgen.  Gerade  auf  dem  Gebiete  der  Kunstpflege
  in  der  Schule  im  allgemeinen  und  der  Einführung  künstlerischen
  Wandschmucks  im  besonderen  hat  sich  in  den  wenigen
Jahren,  seitdem  die  Bewegung  eine  größere  Öffentlichkeit  gewonnen
hat,  bereits  eine  reichhaltige  Literatur  entwickelt.  Es  kann  nicht  die
Aufgabe  dieser  kurzen  Darlegung  sein,  auf  alle  die  strittigen  Punkte,
die  Schriften  und  Gegenschriften  einzugehen,  die  so  tiefgreifende
Reformbestrebungen  notwendigerweise  hervorrufen  mußten.  Der  neue
Zeichenunterricht  ist  im  Werden  begriffen;  in  dem  Bau  der  Schulhäuser
  sind  die  künstlerischen  Gesichtspunkte  bereits  in  vielen  Gemeinden
  voll  zur  Anerkennung  gelangt;  Reproduktionen  von  klassischen
Kunstwerken  und  moderne  Künstler-Lithographien  bilden,  wie  sie