116  Wohlfahrtseinrichtungen.

graphien  von  Kunstwerken  in  einer  Stunde  gezeigt  werden,  sodaß
immer  ein  Eindruck  den  anderen  verwischt,  hat  die  Kunstempfänglichkeit
  unseres  Volkes  nicht  gefördert.  Nicht  mehr  als  20—30  Bilder
soll  das  Kind  während  seiner  ganzen  Schulzeit  betrachten  lernen  und
in  allen  Einzelheiten  dauernd  in  Herz  und  Gedächtnis  aufnehmen.
Dann  wird  es  einen  wirklichen  Vorteil  für  sein  Kunstempfinden  davontragen.
  Wir  sehen  also  in  diesen  Bildbetrachtungen  in  erster  Linie
einen  hohen,  sittlichen  Wert,  weil  dadurch  dem  Auge  ein  Schutz
gegen  das  Niedrige  verlichen  wird,  wie  wir  ihn  durch  nichts  anderes
erzielen  können.

Am  nachhaltigsten  dürfte  das  Betrachten  der  Bilder  in  der
Schule  so  erzielt  werden,  daß  man  Meisterwerke  als  Schmuck  an  die
Wand  hängt,  wo  sie  den  Kindern  wochen-  und  monatelang  vor
Augen  sind.

Wir  wollen  aber  durch  solchen  Wandschmuck  auch  vorbildlich
auf  die  Kinder,  wir  wollen  durch  die  Schule  auf  das  Haus  wirken.
Daher  müssen  diese  Kunstblätter  billig  sein,  wie  beispielsweise  die
ganz  vorzüglichen  Holzschnitte  der  Kunstwartstiftung,  die  Ludwig
Richterschen  Illustrationen,  die  Seemannschen  Wandbilder  oder  die
zeitgenössischen  Kunstblätter  von  Breitkopf  &amp;  Härtel.  Die  Kinder
sollen  solche  wohlfeile,  dabei  aber  künstlerisch  wertvolle  Reproduktionen
an  der  Wand  ihres  Schulzimmers  sehen,  und  dadurch  soll  in  ihnen
das  Verlangen  geweckt  werden,  ihre  Wohnstube  ebenso  auszuschmücken
  und  dadurch  größere  Freude  an  ihrem  Heim  zu  gewinnen.


Bei  der  Auswahl  des  Wandschmuckes  wird  man  auch  in  Zukunft
  immer  ein  gemischtes  Verfahren  einschlagen  müssen.  Einesteils
wird  man  farbige  Original-Lithographien  wählen,  von  Künstlerhand
selbst  auf  den  Stein  gezeichnet,  anderenteils  werden  auch  Reproduktionen
  deutscher  Kunstwerke,  die,  ganz  ohne  Rücksicht  auf  die
Schule,  lediglich  im  Dienste  der  Kunst  geschaffen  worden  sind,  niemals
fehlen  dürfen.“

Um  dic  Herstellung  derartiger  Bilder  haben  sich  besonders  folgende
  Verlagsanstalten  verdient  gemacht:  G.  B.  Teubner  (Leipzig),
Breitkopf  &amp;  Härtel  (Leipzig),  R.  Voigtländer  (Leipzig),  Gesellschaft
für  vervielfältigende  Kunst  (Wien),  E.  A.  Seemann  (Leipzig),  Commeter
  (Hamburg),  Vereinigung  der  Kunstfreunde  (Berlin)  u.  a.

Der  künstlerischen  Ausstattung  der  Schulhäuser  und  den  \Versuchen
  mit  der  Betrachtung  von  Gemälden  in  denselben  sind  in
deutschen  Schulen  seit  langer  Zeit  Besuche  der  öffentlichen  Kunst-