Andere  Wohlfahrtseinrichtungen.  117

sammlungen  und  Gemäldegalerien  von  Lehrern  mit  ihren  Schulklassen
vorangegangen.  Besonders  sind  solche  Museumswanderungen  an
höheren  Schulen  üblich,  um  die  Belehrungen  in  der  Kunstgeschichte
zu  unterstützen.  Auch  die  Lehrer  und  Lehrerinnen  der  Volksschule
führten  die  Kinder  in  die  Museen,  um  ihnen  gewisse  Gemälde  historischen
  oder  religiösen  Inhalts,  Porträts  berühmter  Persönlichkeiten
oder  charakteristische  Landschaftsbilder  zu  zeigen.  Bei  allen  diesen
Gelegenheiten  ruhte  natürlich  das  Hauptgewicht  der  Behandlung  auf
dem  Gegenstand  der  Darstellung,  die  Kunstwerke  der  Museen  waren
nichts  anderes  als  vervollkommnete  Anschauungsbilder,  wie  man  sie
in  den  realistischen  Fächern  des  Unterrichts  täglich  verwendet.  Die
künstlerische  Behandlung  spielte  wenigstens  für  die  Schüler  und
Schülerinnen  der  Volksschule  kaum  je  eine  Rolle.

Der  bereits  genannte  Professor  Lichtwark  hat  schon  seit  Ende
der  80er  Jahre  jeden  Winter  Übungen  mit  der  Betrachtung  von
Kunstwerken  durch  Laien  in  der  Hamburger  Kunsthalle  veranstaltet
und  in  dem  interessanten,  bereits  in  4.  Auflage  erschienenen  Werke
„Übungen  in  der  Betrachtung  von  Kunstwerken  nach  Versuchen  mit
einer  Schulklasse“,  herausgegeben  von  der  Lehrer-Vereinigung  zur
Pflege  der  künstlerischen  Bildung  (Berlin  1902),  vortreffliche  in  Frage
und  Antwort  gekleidete  Muster  solcher  Behandlung  von  Kunstwerken
dargeboten.  Er  beschränkt  sich  keineswegs  auf  historische  oder
landschaftlich  bemerkenswerte  oder  dem  kindlichen  Gemüte  ganz  besonders
  naheliegende  Gegenstände,  er  weiß  die  Schüler  auch  zum
Verständnis  und  tieferen  Empfinden  des  Porträts,  des  Genrebilds,  der
Architektur,  selbst  der  Darstellung  leblosen  Geräts  zu  führen.  Die
Musterlektionen,  welche  er  uns  in  der  genannten  Schrift  vorführt,
behandeln  folgende  Gemälde:  Vautier,  der  verlorene  Sohn  —  Runge,
Kinderbildnis  —  Menzel,  Rüstungen  —  Helstedt,  der  Stadtrat  hält
Sitzung  —  Siebelist,  bei  der  Schularbeit  —  Gensler,  Vater  und
Mutter  Gensler  —  Kauffmann,  Probsteier  Fischer  —  Ruths,  das
Baumhaus  —  Kuehl,  Straße  beim  Teilfeld  —  Lenbach,  Kaiser  Wilhelm
  I.  Über  Zweck  und  Verfahren  bei  dieser  Betrachtung  von
Kunstwerken  durch  Kinder  spricht  er  sich  in  der  Einleitung  dieser
Schrift  folgendermaßen  aus:

„Niemand  wird  erwarten,  daß  man  aus  dem  Kinde  einen  Kunstkenner
  machen  kann,  oder  daß  ces  in  der  Kunstbetrachtung  ein
Klassenziel  gibt,  das  alle  erreichen  können.  Mehr  als  auf  vielen

anderen  Gebieten  spricht  hier  die  besondere  Begabung,  die  angeborene
Empfänglichkeit  mit.