Andere  Wohlfahrtseinrichtungen.  119

diesem  Gebiet  das  ästhetische  Pflichtgefühl  der  Pädagogen  wachzurufen.


Einen  besonderen  Schritt  zu  dem  Ziele,  unsere  Schuljugend  mit
den  Schönheiten  ihrer  Muttersprache  vertraut  zu  machen,  bilden  die
seit  noch  nicht  10  Jahren  in  verschiedenen  deutschen  Städten  gemachten
  Versuche,  die  Kinder  der  Volksschule  ins  Theater  zu  führen.
Auch  für  diese  Strömung  der  künstlerischen  Bildung  müssen  wir  die
C)uelle  in  Hamburg  suchen.  Auch  auf  diesem  Gebiete  gebührt  der
Lehrer-Vereinigung  für  die  Pflege  der  künstlerischen  Bildung  das  Verdienst,
  zuerst  mit  praktischen  Versuchen  vorangegangen  zu_  sein.
Eine  Veröffentlichung  dieser  Vereinigung  „Unsere  Volksschüler  im
Stadttheater‘  (Hamburg  1898)  läßt  uns  einen  Blick  auf  die  Vorgeschichte
  der  Hamburger  Theateraufführungen  für  Schulkinder  tun.
Es  heißt  daselbst:  „Die  literarische  Kommission  der  Lehrervereinigung
für  die  Pflege  der  künstlerischen  Bildung  mußte  bei  ihrer  Arbeit  mit
Notwendigkeit  auch  das  Theater  in  den  Kreis  ihrer  Erörterungen
ziehen.  Das  geschah  in  einer  Sitzung  im  Dezember  1897.  Entsprechend
  dem  Vorgehen  der  Vereinigung  überhaupt  hielt  sich  der
Ausschuß  nicht  mit  theoretischen  Erörterungen  auf,  sondern  fragte
sich:  Wie  kann  unser  Theater  der  künstlerischen  Erziehung  unserer
Jugend  dienstbar  gemacht  werden?

Der  Ausgangspunkt  für  unser  Unternehmen  ergab  sich  ohne
weiteres  aus  der  Tatsache,  daß  in  unseren  Hamburger  Volksschulen
cine  Reihe  klassischer  Dramen  lehrplanmäßig  gelesen  werden.  Was
war  da  natürlicher,  ja  selbstverständlicher  als  der  Wunsch,  daß  einige
den  Kindern  in  guter  Darstellung  vorgeführt  würden?  Man  hatte
das  sichere  Gefühl,  sich  damit  auf  einem  Boden  zu  befinden,  den  die
ganze  Schulwelt,  soweit  sie  dem  Lesen  klassischer  Dramen  überhaupt
zustimmt,  teilen  würde.“

Es  wurden  Beratungen  gepflogen,  man  fand  bei  der  Theaterdirektion,
  bei  Künstlern  und  Künstlerinnen  ein  freundliches  Entgegenkommen,
  auch  die  Oberschulbehörde  unterstützte  die  Sache.  Freilich
ließ  sich  dieselbe  nicht  bereit  finden,  die  Kosten  für  das  Eintrittsgeld
der  Schüler,  das  sich  bei  einer  Ausgabe  von  2000  Karten  auf  25  Pf.
pro  Vorstellung  und  Kind  stellte,  zu  übernehmen,  und  die  Schüler
mußten,  abgesehen  von  einigen  ärmeren,  für  welche  von  anderer
Seite  Karten  geliefert  wurden,  ihr  Eintrittsgeld  selbst  zahlen.

So  fand  dann  bereits  am  26.  Januar  1898  die  erste  Vorstellung
vor  dem  ausschließlich  von  Lehrern  und  Schülern  besetzten  Hause
statt.  Der  Verlauf  war  ein  außerordentlich  günstiger.  Die  Schüler