Andere  Wohlfahrtseinrichtungen.  121

Elberfeld,  werden,  wie  es  scheint,  die  Oberklassen  der  Volksschulen
zu  den  gewöhnlichen  Spielzeiten  ins  Theater  geführt.  Sie  finden  dort
Gelegenheit,  Schauspile  wie  Paul  Heyses  „Colberg“,  „Die
Quitzows“  von  Wildenbruch,  „Minna  von  Barnhelm“,  „Wilhelm  Tell“
und  „Jungfrau  von  Orleans“  zu  sehen.  Die  Kosten  für  diese  Besuche
  werden  durch  eine  Stiftung  getragen.  Auch  in  Berlin  hat  man
bisher  die  Schülervorstellungen  teilweise  aus  den  Mitteln  einer  Stiftung
bestritten;  die  Schüler  und  Schülerinnen  wurden  klassenweise  in  die
beiden  Schillertheater  (O.  und  N.)  geführt  und  sahen  dort  in  einem
Jahre  Wilhelm  Tell,  im  anderen  Minna  von  Barnhelm.

In  Dresden  wurden  zum  ersten  Male  im  Jahre  1900  auf  Ansuchen
  des  pädagogischen  Vereins  im  Königlichen  Schauspielhause
für  die  ersten  Klassen  der  Volksschulen  Aufführungen  des  Wilhelm
Tell  veranstaltet  und  später  wiederholt;  der  Eintrittspreis  betrug
25  Pf.  pro  Kind,  die  Beteiligung  der  Schüler  und  Schülerinnen,
welche  von  ihren  Lehrern  geführt  wurden,  war  eine  sehr  rege.  Auch
in  Leipzig  fanden  im  Neuen  Theater  Tellaufführungen  statt.  In  Magdeburg
  werden  Theater-Vorstellungen  für  Schüler  und  Schülerinnen  der
Volksschulen  schon  seit  dem  Winterhalbjahr  1#97/98  veranstaltet.
Es  wurden  dort  Wilhelm  Tell,  die  Jungfrau  von  Orleans,  Minna  von
Barnhelm,  Zriny,  das  Lied  von  der  Glocke  (mit  lebenden  Bildern),
Götz  von  Berlichingen  und  Wallensteins  Lager  auf  die  Bühne  gebracht.
Im  allgemeinen  nahmen  80  %/,  aller  Kinder  der  Oberklassen  der  Bürgerund
  Volksschulen  teil.  In  Breslau,  Frankfurt  a.  M.  und  Charlottenburg
  sind  die  Kosten  für  die  Vorstellungen  von  der  Stadt  übernommen
  worden,  und  zwar  bewilligte  im  letzten  Jahre  Charlottenburg
für  diesen  Zweck  840  M.,  Frankfurt  a.  M.  800  M.,  Breslau  500  M.
In  Bremen  wurden  die  Kosten  für  die  Theatervorstellungen  sowie
alle  Aufwendungen  für  die  Bahnfahrt  der  Vegesacker  Schüler,  welche
zu  den  Vorstellungen  zugelassen  wurden,  von  einem  Wohltäter  getragen.

In  jüngster  Zeit  hat  man  auch  hier  und  da  den  Versuch  gemacht,
  die  Schüler  zu  künstlerisch  musikalischen  Aufführungen  hinzuzuziehen
  oder  solche  Aufführungen  für  sie  zu  veranstalten.  In  Berlin
hat  sich  unter  dem  Vorsitz  Ihrer  Excellenz  der  Frau  Kultus-Minister
Dr.  Studt  ein  Komitee  zur  Förderung  der  Jugendkonzerte  gebildet.
Der  Zweck  der  Jugendkonzerte  ist,  den  Kindern  der  ärmsten  Bevölkerung
  gute  Musik  zugänglich  zu  machen.  Einige  derartige
Konzerte  haben  bereits  in  Berlin  mit  gutem  Erfolge  stattgefunden;
neben  Gesangsleistungen,  besonders  Volksliedern,  wurde  ihnen  auch
Instrumentalmusik  von  ersten  Künstlern  dargeboten.  Die  den  Kindern