122  Wohlfahrtseinrichtungen.

von  der  Schule  her  bekannten  schönen  deutschen  Volkslieder  machten
sichtlich  den  tiefsten  Eindruck  auf  sie;  unter  den  Instrumenten  bevorzugten
  sie  die  Geige  und  demnächst  Cello,  zeigten  aber  verhältnismäßig
  geringes  Verständnis  für  Harfe  und  Klavierspiel.  Auch  in
anderen  Städten  sind,  teilweise  auf  Anregung  der  Lehrervereine,  die
ersten  Versuche  mit  Schülerkonzerten  gemacht  worden;  im  Interesse
der  Verbreitung  dieser  Einrichtung  wirkt  besonders  Musikdirektor
Max  Battke,  welcher  im  Verlauf  des  letzten  Sommers  (1903)  eine
größere  Anzahl  deutscher  Städte  bereist  hat,  um  in  öffentlichen  Vorträgen
  für  die  Veranstaltung  von  Jugendkonzerten  Propaganda  zu
machen.

656.  Schulsparkassen.

Unter  den  verschiedenen  Sparkasseneinrichtungen  in  Deutschland
spielen  die  Jugend-  oder  Schulsparkassen  keine  unbedeutende  Rolle.
Dieselben  sind  fast  durchweg  private  Einrichtungen,  welche  weder
mit  den  öffentlichen  Sparkassen  in  organischer  Verbindung  stehen,
noch  ‚auch  in  den  Arbeitsplan  der  Schule  eingefügt  sind.  Zu  den
Jugendsparkassen  rechnet  man  die  Aussteuer-Sparkassen,  die  Konfirmanden-,
  Fortbildungs-,  Kinder-,  Sonntagsschulsparkassen,  die  Industrie-
  und  Fabrikschulsparkassen.  Bei  den  eigentlichen  Schulsparkassen,
  die  uns  hier  hauptsächlich  beschäftigen,  werden  die  Sparpfennige
  vom  Lehrer  eingesammelt  und  allwöchentlich  oder  allmonatlich
  bei  einer  öffentlichen  Sparkasse  niedergelegt,  doch  gibt  es  auch
vereinzelte  Schulsparkassen,  bei  denen  die  eingezahlten  Beträge  von
einer  anderen  Aufsichtsinstanz  selbständig,  ohne  Inanspruchnahme
einer  öffentlichen  Kasse,  verwaltet  werden.

Wo  keine  öffentlichen  Sparkassen  im  Kreise  sind,  werden  die
Ersparnisse  wohl  auch  bei  Raiffeisenschen  und  ähnlichen  ländlichen
Kassen  eingelegt.

Um  die  Begründung  der  Schulsparkassen  haben  sich  in  Deutschland
  neben  Lehrern  besonders  Geistliche  ein  großes  Verdienst  erworben.

Goslar,  Apolda  und  Gotha  sind  als  Orte  zu  nennen,  in  welchen
diese  Wohlfahrtseinrichtung  zuerst  ins  Leben  gerufen  worden  ist.
Seit  dem  Jahre  1850  fing  man  an,  Sparkassen  für  die  Kinder  der
Sonntagsschulen  einzurichten.  Der  Zweck  war  der,  den  Kindern  die
Mittel  zur  Anschaffung  von  Bibeln,  Gesangbüchern  und  Kleidungsstücken
  für  die  Konfirmation  zu  beschaffen.  Um  die  weitere  Ausbreitung
  der  Jugend-  und  Schulsparkassen  hat  sich  E.  Senckel,  zurzeit
  Pfarrer  und  Schulinspektor  zu  Hohenwalde  bei  Müllrose  in  der