Schulsparkassen.  125

5.  Die  Schulsparkassen  sind  geeignet,  das  Vertrauen  zwischen
Haus  und  Schule  zu  untergraben.

6.  Sie  rufen  eine  Verschärfung  des  Standes-  und  Klassenbewußtseins
  unbemerkt  hervor,  sind  also  mit  Rücksicht  auf  die  moderne
Pädagogik  sowohl,  wie  auch  aus  sozial-politischen  Gründen  verwerflich.

7.  Sie  können  eine  sittliche  Schädigung  der  Jugend  herbeiführen,
da  in  schwachen  Gemütern  das  Bewußtsein  der  Armut  ein  demütigendes
  und  niederdrückendes  Gefühl  hervorruft  —  und  da  auch  Neid,
Habsucht  und  weitere  schlimmere  Eigenschaften  hierdurch  erzeugt
werden  können.

8.  Sie  lenken  viele  Kinder  von  der  Hauptaufgabe  der  Schule  ab;
insbesondere  beeinträchtigen  sie  den  häuslichen  Fleiß.

9.  Eine  so  einseitige  Betonung  des  Geldsparens  richtet  die  kindliche
  Natürlichkeit  und  Unbefangenheit  der  Lebensauffassung  zugrunde

  und  bereitet  dem  Materialismus  in  der  Schule  eine  Pflanzstätte.
10.  Die  wenigen  unerheblichen  und  eine  einseitige  Verstandesbildung

  begünstigenden  Vorteile  der  Schulsparkassen  werden  durch
vorstehende  Bedenken  mehr  als  aufgewogen.“

Die  Versammlung  erklärte  sich  für  den  Satz,  daß  Schulsparkassen
  im  Prinzip  aus  pädagogischen  Gründen  zu  verwerfen  seien.

Eine  ähnliche  Stellung  nahmen  in  der  Folge  andere  Lehrervereine
  ein,  wenn  es  auch  an  gegenteiligen  Äußerungen  aus  der
Lehrerschaft  nicht  fehlte.

Trotz  alledem  ist  die  Bewegung  auch  in  Deutschland  im
Wachsen  und  scheint  in  letzter  Zeit  auch  in  Lehrerkreisen  wohlwollendere
  Aufnahme  und  Unterstützung  zu  finden.

Über  die  zurzeit  erreichte  Ausdehnung  der  Schulsparkassenbetriebe
  liegt  eine  ganz  vollständige  Statistik  für  Deutschland  nicht
vor,  doch  hat  sich  der  deutsche  Verein  für  Jugendsparkassen  auch
als  Sammelstelle  für  alle  auf  Schulsparkassen  bezüglichen  Nachrichten
großes  Verdienst  erworben.  Die  von  Pfarrer  E.  Senckel,  dem  Vorsitzenden
  des  Vereins,  herausgegebene  dritte  Denkschrift  (Frankfurt
  a.  ©.  1901  im  Selbstverlage  des  Vereins)  bietet  in  ihrem  statistischen
  Teil  genaue  Angaben  über  eine  große  Anzahl  von  deutschen
I.and-  und  Stadtgemeinden,  in  welchen  Schulsparkassen  eingerichtet
worden  sind.  Wir  verweisen  auf  den  reichen  Inhalt  dieser  Schrift
und  begnügen  uns  hier  damit,  eine  Übersichtstabelle  über  die  Jugendsparkassen
  in  Deutschland  wiederzugeben.*)

*)  Der  statistische  Teil  ist  von  Rektor  Dr.  Zickerow-Cammin  in  Pommern
bearbeitet.