8  Einleitung.

erste  Dampfmaschine  in  Hettstädt  in  Preußen,  1780  die  erste  Spinnmaschine
  in  Augsburg  aufgestellt,  aber  man  war  für  den  Betrieb  der
Maschinen  und  für  ihre  Reparatur  vollständig  auf  die  geschulten  englischen
  Techniker  angewiesen.  Zwar  gingen  Deutsche  nach  England,
um  den  Bau  der  Maschinen  dort  zu  studieren  (so  Bückling  auf
Spezialbefehl  Friedrich  des  Großen  im  Jahre  1779,  Baader  von
1787—1795,  Reichenbach  1791),  aber  sie  wurden  mit  Mißtrauen
dort  empfangen  und  konnten,  wie  Reichenbach  in  Soho,  nur  schwierig
sich  cinigen  Einblick  verschaffen.  So  war  der  Wunsch,  von  England
unabhängig  zu  werden,  ein  wesentliches  Moment,  welches  die  Gründung
  höherer  technischer  Schulen  immer  dringender  forderte.

Ein  weiterer  Umstand  trat  hinzu,  der  erfolgreiche  Vorgang
Frankreichs  mit  der  Gründung  der  Ecole  polytechnique  in  Paris  im
Jahre  1794/95.  Im  Jahre  1798  wurde  der  als  Mathematiker  und
Techniker  bekannte  Prager  Professor  Gerstner  nach  Wien  berufen,
um  Vorschläge  für  die  Errichtung  technischer  Schulen  zu  machen.
Seine  umfassenden  Darlegungen  zielten  nicht  darauf  hin,  ein  der
Hcole  polytechnique  ähnliches  Institut  zu  schaffen,  sondern  im  Gegensatze
  zu  der  militärischen  Organisation  in  Paris  die  volle  L.chr-  und
l.ernfreiheit  deutscher  Universitäten  auch  im  technischen  Unterrichte
zur  Anwendung  zu  bringen.  Freilich  entsprach  die  Ausführung  den
Vorschlägen  nur  in  engen  Grenzen.  Sic  verzögerte  sich  bis  1806,  in
welchem  Jahre  das  „ständisch  polytechnische  Institut“  in  Prag  unter
Gerstners  Leitung  als  Staatsanstalt  gegründet  wurde.  Als  Zweck  des
Instituts  wurde  „die  lmporbringung  der  vaterländischen  Gewerbe
durch  wissenschaftlichen  Unterricht“  bezeichnet.  Tand-  und  \Wasserbaukunst
  einerseits,  Chemie  andererseits  waren  die  Hauptfächer;  auch
die  Feldmeßkunst  wurde  gelehrt;  die  Mechanik  übernahm  Gerstner
selbst,  der  in  beständiger  Berührung  mit  den  Neuerungen  der  Technik
(unter  Leitung  seines  Sohnes  wurde  von  1825  an  die  erste  große
Pferdebahn  Österreichs  von  Linz  nach  Budweis  gebaut)  stand.  Von
l.ehr-  und  L.ernfreiheit  im  akademischen  Sinne  war  freilich  keine
Rede.

Noch  aber  war  das  Prager  Institut  nicht  eröffnet,  als  sich  auch
in  Wien  der  Wunsch  nach  einer  Zentralbildungsanstalt  für  Händel
und  Gewerbe  in  der  Hauptstadt  geltend  machte.  Der  erste  ausführliche
  Plan  zu  deren  Errichtung  wurde  1810  von  Prechtl  aufgestellt,
1815  erfolgte  die  Kröffnung  des  k.  k.  polytechnischen  Institutes  in
Wien.  Es  sollte  mit  einer  technischen  Lehranstalt  ein  Konservatorium
für  Künste  und  Gewerbe  enthalten  und  mit  einem  Verein  zur  Be-