12  Einleitung.

äußert.  Davon  abgeschen  sehen  wir  die  Entwicklung  in  diesen  Jahren
besonders  in  der  Trennung  und  im  Ausbau  früher  mehr  enzyklopädisch
  vereinigter  Lehrzweige;  dem  trägt  dann  die  Errichtung  neuer
l.chrstühle  und  die  Erweiterung  der  Räumlichkeiten  Rechnung;  besonders
  auch  für  l.aboratorien  wird  mehr  und  mehr  gesorgt.

“twa  um  das  Jahr  1850  werden  die  inneren  Erfolge  vielfach
durch  Reorganisationen  der  Hochschulen  nach  außen  hin  sichtbar;
so  werden  1847  Hannover,  1851  Dresden  (denen  schon  1840
Stuttgart  vorangegangen  war,  1862  Braunschweig  folgte)  als
„polytechnische  Schulen“  reorganisiert;  ebenso  wichtig  sind  die
neuen  Vorschriften  für  die  Bauakademie  und  das  Gewerbeinstitut  in
Berlin  aus  den  Jahren  1849  und  1850.  Um  dieselbe  Zeit  wird  die
Institution  der  Privatdozenten  in  einem  Teil  der  höheren  technischen
Anstalten  Deutschlands  und  Österreichs  eingeführt  und  zugleich  das
Prinzip  der  L.chr-  und  L.ernfreiheit  in  weiterem  Umfange  eingeräumt.

Doch  erst  am  Ende  der  60er  Jahre  tritt  die  Entwicklung  in  cin
neues  Stadium.  Die  Notwendigkeit  einer  neuen  grundlegenden  Gestaltung
  war  allgemein  in  den  technischen  Kreisen  empfunden  und
fand  ihren  Ausdruck  in  dem  Programm,  welches  Grashof,  der  seit
1863  als  Nachfolger  Redtenbachers  in  Karlsruhe  wirkte,  im  Auftrag
  des  Vercins  deutscher  Ingenieure  auf  der  Heidelberger  \Versammlung
  des  Jahres  1864  „über  die  der  Organisation  der  polytechnischen
Schulen  zugrunde  zu  legenden  Prinzipien“  aufstellte.  Es  gibt  diese
Denkschrift  ihrem  ganzen  Inhalt  nach  ein  klares  Bild  der  Auffassung
der  beteiligten  Kreise  über  die  Forderungen,  die  man  an  den  Unterricht
an  den  modernen  technischen  Schulen  richten  müsse,  und  über  die
Stellung,  die  man  für  sie  in  Anspruch  nahm.  „Meines  Erachtens,“
sagt  Grashof,  „ist  cs  cine  Lebensfrage  der  polytechnischen  Schulen,
daß  sie  durchaus  den  Charakter  von  Hochschulen  behaupten  resp.
erstreben,  die  wissenschaftliche  Ausbildung  für  untergeordnete  und
mittlere  technische  Berufsstellungen  im  allgemeinen  den  Gewerbeschulen
  überlassend,  sofern  nicht  in  gewissen  Fällen,  namentlich  bei
spezieller  Richtung  der  ausgebreiteten  Industrie  cines  Tandstnches,
besondere  Werkmeisterschulen,  als  vollständiger  diesem  speziellen
Zwecke  entsprechend,  vorgezogen  werden.“

„Zweck  und  Charakter  der  polytechnischen  Schule
mögen  hiernach  so  zusammengefaßt  werden:  Sic  sci  cine
technische  Hochschule  und  bezwecke  die  den  höchst  berechtigten
  Anforderungen  entsprechende  wissenschaftliche
Ausbildung  für  diejenigen  technischen  Berufsfächer  des