20  Einleitung.

so  daß  ihre  eingehende  Behandlung  im  Unterrichte  immer  mehr  an
Bedeutung  wachsen  mußte.

Eine  Schwierigkeit  wird  sich  freilich  in  immer  steigendem
Maße  der  Entwicklung  und  Ausgestaltung  des  Unterrichtes  entgegenstellen:
  Die  Fülle  des  wichtigen  und  unentbehrlichen  Stoffes  —  welcher
schon  jetzt  in  dem  Zeitraum  von  4  Hochschuljahren  nur  unter  stetem
Zusammendrängen  im  einzelnen,  unter  enzyklopädischer  Behandlung
mancher  Disziplinen  und  unter  Streichung  des  nicht  unmittelbar  dem
besonderen  Ziele  Dienenden  bewältigt  werden  kann  —  wird  eine  Ausdehnung
  der  Studienzeit  erfordern,  wenn  anders  man  nicht  zu  einer
noch  engeren  Beschränkung  auf  spezielle  Fachrichtungen  gelangen
wollte,  die  bei  der  Vielscitigrkeit  des  Wissens,  das  heute  vom  Techniker
gefordert  wird,  doch  nicht  ohne  die  ernstesten  Bedenken  wäre.  Bis
zu  einem  gewissen  Grade  könnte  man  allerdings  eine  Vereinfachung
und  Erleichterung  dadurch  schaffen,  daß  ein  Teil  der  notwendigen
allgemeinen  Vorkenntnisse  schon  in  den  Lehrstoff  aller  Mittelschulen
einbezogen  würde.  Es  müßten  dann,  fakultativ  etwa,  Übungen  im
technischen  Zeichnen  und  die  darstellende  Geometrie  auch  an  den
Gymnasien  eingeführt  werden  und  durchweg  in  den  mathematischen
Unterricht  die  ersten  Elemente  der  höheren  Mathematik  aufgenommen
werden.  Andererscits  treten  gewichtige  Stimmen  dafür  cin,  durch
Erweiterung  des  Hochschulstudiums  um  ein  fünftes  Jahr  Wandel  zu
schaffen.  Dabei  soll  die  nötige  Zeit  durch  cine  Verkürzung  des  jetzt
nceunjährigen  I.chrganges  der  Mittelschule  gewonnen  werden;  in  der
Tat  die  einzig  mögliche  T.ösung,  wollte  man  anders  nicht  den  Eintritt
in  die  Praxis  und  in  das  Leben  für  den  jungen  Mann  noch  mehr
verzögern  als  schon  jctzt.

Gerade  der  Umstand,  daß  die  jetzt  vicrjährige  Studienzeit
  nur  der  theoretischen  Vorbildung  für  das  Fach  gewidmet  sein
kann  und  die  technische  Hochschule  allein  ihrer  gesamten  Uhterrichtsaufgabe
  nach  nicht  fertige  Ingenicure  auszubilden  vermag,
führt  noch  auf  eine  weitere  Frage,  welche  hier  nicht  unerwähnt
bleiben  darf:

Die  praktische  Ausbildung  für  den  technischen  Beruf.

Solange  die  technischen  Schulen  gleichzeitig  der  Ausbildung
auch  mittlerer  Techniker  dienten,  solange  Werkmeister-  und  Baugcewerkschulen
  mit  ihnen  verknüpft  waren,  pflegten  in  der  Regel  die
Schüler  nicht  ohne  vorhergegangene  praktische  I.chnahre  an  die
Schule  zu  kommen,  zumal  auch  die  Forderungen  an  die  allgemeine
Vorbildung  gering  waren.  Vielfach  bot  auch  die  Schule  selbst