60  Der  T.ehrbetrieb  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

die  Aachener  Hochschule  ausführlicher  auf  den  neuen  sich  hier
bietenden  Zweig  unterrichtlicher  Tätigkeit  eingegangen.

Die  Frage  nach  der  Beteiligung  der  technischen  Hochschulen
an  der  Ausbildung  von  Lehrern  der  Mathematik  und  der  unmittelbaren
  Anwendungen  derselben  ist  in  neuerer  Zeit  oft  und  lebhaft  diskutiert.*)
  Mannigfache  Interessen  begegnen  sich  bei  dieser  Frage.

Um  zunächst  die  technischen  Hochschulen  selber  reden  zu
lassen,  so  stellte  schon  vor  vielen  Jahren  F.  Grashof  in  ciner  auf
der  7.  Hauptversammlung  des  Vereins  deutscher  Ingenieure  gehaltenen
Rede  als  Aufgabe  der  technischen  Hochschulen  auf,  dafs  sie  ihre  eigenen
künftigen  Lehrer  selbst  bilden  sollen.  Aber  allerdings  fügte  er  sogleich
hinzu,  daß  er  diese  Forderung  nicht  auf  alle  Unterrichtsfächer  an  den
technischen  Hochschulen  bezogen  wissen  wollte.  Nun  ist  ja  selbstverständlich,
  dafs  die  L.chrer  der  Nationalökonomie,  die  Dozenten  der
Ilygiene  oder  der  Bakteriologie  ihre  Ausbildung  nicht  an  einer  technischen
  llochschule  gefunden  haben.  Wir  werden  daher  die  Grashofsche
  Forderung  dahin  präzisieren  können,  daß  die  L.chrer  nicht
nur  aller  technischen  Fächer,  sondern  auch  aller  mit  den
letzteren  unmittelbar  verwandten  und  grundlegenden  Unterrichtsfächer
  ihre  Wachausbildung  ganz  oder  teilweise  an
einer  technischen  Hochschule  erhalten  haben  sollten.

Zu  letzteren  Fächern  schören  aber  nicht  nur  die  Mechanik  und
andere  Zweige  der  angewandten  Mathematik,  sondern  unstreitig  auch
die  reine  Mathematik:  und  cs  ist  cin  vitales  Interesse  der  technischen
  Hochschulen,  dat  dieselben  mehr  al;  bisher  auf  die  Ausbildung
  ihrer  künftigen  mathematischen  l.chrer  Einfluss  gewinnen.
Schon  in  seiner  Studienzeit  müfste  ein  solcher  einen  Einblick  gewinnen
  in  den  „Geist  der  technischen  }lochschule"  und  ihren  „L.iehrbetrieb".
  So  wenig  man  von  ihm  die  Durchführung  eines  technischen
"achstudiums  wird  verlangen  dürfen,  so  schr  ist  cs  erwünscht,  dafs
er  sich  durch  Hören  einer  Vorlesung  über  „beschreibende  Maschinen-Ichre“
  oder  über  „Enzyklopädie  der  technischen  Wissenschaften“  oder
dergl.  ein  deutliches  Urteil  schafft  über  den  Inhalt  der  technischen
Fachstudien.  Der  Erwerb  einer  gediegenen  mathematischen  Bildung
und  das  Studium  der  Geodäsie,  sowie  vornehmlich  der  Mechanik

*)  Siehe  z.B.  den  Vortrag  von  F.  Klein  „Die  Anforderungen  der  Ingenieure  und
die  Ausbildung  der  mathematischen  l.ehramtskandidaten",  gehalten  im  lannoverschen
mthematischen  Verein  am  20.  April  1895,  Zeitschr.  für  den  ımath.  und  naturwiss.  Unternicht,
  Bd.  27.