64  Der  Lehrbetrieb  in  den  einzchten  Fachgebieten.

stalten  die  Kunstakademien  mit  einer  Architektur-Abteilung  ausgestattet
  waren.  Sie  ist  jetzt  noch  in  Frankreich  die  herrschende,  wo
l:cole  polytechnique  und  Ecole  des  Beaux-Arts  sich  in  den  betreffenden
  Unterricht  teilen,  und  besteht  gewissermaßen  auch  in  Wien,
Berlin  und  Dresden,  wo  die  Kunstakademien  in  einer  Architektur-Abteilung
  den  Architekten,  die  an  irgend  ciner  technischen  Schule
vorgebildet  worden  sind,  eine  weitere  künstlerische  Ausbildung  gewähren.
  Die  deutschen  technischen  Hochschulen  dagegen  haben  seit
ihrer  Gründung  es  sich  angelegen  sein  lassen,  an  ihren  Architektur-Abteilungen
  die  Unterrichtsfächer  nach  den  beiden  Richtungen  auszugestalten
  und  zu  einander  in  das  richtige  Gleichgewicht  zu  setzen.
Die  Entwicklung  des  T.ehrbetriebes  an  diesen  Abteilungen  sowie  die
Änderungen,  die  derselbe  seit  Gründung  der  technischen  Hochschulen
erfahren  hat,  sollen  den  Gegenstand  der  folgenden  Ausführungen
bilden.

Bei  der  Ausgestaltung  des  Lehrplanes  hatte  man  zunächst  mit
‚wei  Faktoren  zu  rechnen:  erstens  mit  der  Vorbildung,  welche  die
Studierenden  von  der  Mittelschule  mitbrachten,  und  zweitens  mit  der
Studienzeit,  in  welcher  die  vollständige  Ausbildung  zum  Architekten
stattfinden  sollte.  Außer  der  allgemeinen  Bildung  brachte  der
Absolvent  eines  humanistischen  Gymnasiums  früher  in  den  mathematischen
  Fächern  und  namentlich  in  den  Naturwissenschaften  nur
geringe  Kenntnisse  mit,  während  die  Absolventen  der  Realgymnasien
und  der  Oberreal-  oder  Industrieschulen  in  dieser  Hinsicht  besser  vorbereitet
  waren.  So  ergaben  sich  für  beide  Kategorien  inbetrefl  der
für  das  Fachstudium  zunächst  notwendigen  Vorstudien  eine  ungleichmäßige
  Behandlung  und  damit  ungleiche  Dauer  der  Studienzeit.
Während  für  den  besser  vorgebildeten  Studenten  für  das  Vor-  und
Fachstudium  zusammen  vier  Jahreskurse  in  Aussicht  genommen
wurden,  hielt  man  für  den  Absolventen  eines  humanistischen  Gymnasiums
  noch  einen  Vorkurs  für  angezeigt.  An  der  in  der  Regel
vierjährigen  Dauer  des  Studiums  mußte  festgehalten  werden,  damit
der  Studierende,  der  ja  auch  noch  sein  Einjährig-Freiwilligenjahr  zu
dienen  hat,  wenigstens  bis  zu  seinem  25.  Lebensjahre  seinem  Fachberufe
  zugeführt  werden  konnte.  So  ergaben  sich  für  die  Ausgestaltung
  der  Lehrpläne  zwei  entgegengesetzt  wirkende  Motive:  während
man  die  mangelnde  Mittelschulbildung  durch  möglichst  weitgehende
wissenschäftliche  Schulung  zu  ersetzen  trachtete,  nötigte  die  beschränkte
  Studienzeit  andererseits  zu  kompendiöser  Behandlung
wichtiger  Teile  des  T.chrstoffes.