Die  Architektur.  67

zeichnen,  andererseits  im  grundlegenden  Unterricht  in  der  Bauformenlehre.


Für  das  architektonische  Zeichnen  sind  zunächst  gewisse  Zweige
der  darstellenden  Geometrie,  nämlich  Schattenkonstruktion  und  Perspektive,
  von  besonderer  Wichtigkeit.  Meistens  wurden  diese  Fächer
aus  dem  engen  Rahmen,  den  ihnen  die  darstellende  Geometrie  gewährt,
  herausgehoben  und  zu  besonderen  Unterrichtsgegenständen
entwickelt.

In  der  Schattenkonstruktionslehre  wird  nicht  bloß  die  Bestimmung
  der  Schattengrenzen,  sondern  die  körperlich  wirkende  Darstellung
  der  Form  durch  entsprechende  Abtönung  der  Licht-  und
Schattenflächen  behandelt.  Sie  bildet  so  die  Grundlage  für  das
schattierte  Zeichnen  der  Bauformen,  durch  welches  die  Formengebung
ihren  klaren  Ausdruck  erhält.

Die  Perspektive  benützt  die  I.ehren  der  Zentralprojektion  für
die  bildmäßige  Darstellung  der  architektonischen  Gegenstände.  Sie
geht  von  den  verschiedenen  Konstruktionsweisen  aus,  die  zur  Gewinnung
  der  linearen  Darstellung  führen,  übt  dieselben  an  der
Zeichnung  architektonischer  Gegenstände  ein  und  behandelt  schließlich
deren  malerische  Ausbildung  in  Licht-  und  Schattenwirkung.  Sie
bildet  als  anschauliche  Darstellungsweise  cin  wichtiges  Hilfsmittel  der
Bauformenlehre  und  dient  beim  Entwerfen  zur  Herstellung  des  der
wirklichen  Ansicht  entsprechenden  Schaubildes  auf  Grundlage  der
vorher  angefertigten  Grund-  und  Aufrisse.

In  der  Bauformenlchre  begann  man  von  jeher  an  allen  Schulen
den  Unterricht  mit  den  Formen  der  antiken  Baukunst,  indem  gewiß
mit  Recht  angenommen  wurde,  daß  der  organische  Aufbau  und  die
klare,  bedeutungsvolle  Formensprache  der  antiken  Bauwerke  vorzugsweise
  geeignet  seien,  für  die  weitere  künstlerische  Ausbildung  als
Grundlage  und  Richtschnur  zu  dienen.  Die  Übungen  zu  diesem
Fach  bilden  zudem  die  beste  (Grelegenheit  zur  Einübung  des  bauzeichnerischen
  Könnens  und  namentlich  der  malerischen  Art  des
Darstellens,  indem  man  einzelne  Bauteile  in  größerem  Maßstab  auftragen
  und  in  Licht-  und  Schattenwirkung  durchbilden  läßt.  Die
perspektivische  Darstellung  der  Formen  ist,  wie  bereits  erwähnt,  besonders
  geeignet,  die  körperliche  Vorstellung  derselben  zu  unterstützen
und  zu  fördern.

Hinsichtlich  der  Formenlehre  in  der  mittelalterlichen  und  der
Renaissancebaukunst  gingen  dagegen  die  einzelnen  Schulen  bisher
ziemlich  weit  auseinander,  indem  je  nach  den  Persönlichkeiten,  welche

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