68  Der  I.chrbetrieb  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

den  Hauptunterricht  im  Entwerfen  in  der  Hand  hatten,  die  eine  oder
die  andere  Richtung  bevorzugt  wurde.  Mitunter  vereinigte  man  die
Formenlehre  der  Renaissance  mit  jener  der  antiken  Baukunst,  was
gewiß  zufolge  der  nahen  Verwandtschaft  der  beiden  Stilweisen  ganz
angemessen  erschien.

Teilweise  mit  der  Bauformenlehre  verbunden,  tritt  als  Weiterbildung
  derselben  der  Unterricht  in  den  Baustilen  hinzu.  Er  besteht
in  baugeschichtlichen  Vorträgen,  welche  neben  der  Entwicklung  der
Kunstformen  die  den  einzelnen  Stilen  eigentümlichen  Konstruktionen
und  dann  hauptsächlich  die  aus  diesen  beiden  Elementen  und  den
jeweiligen  Kulturbedingungen  hervorgegangenen  Gebäudeanlagen  zum
Gegenstand  haben.  Meistens  erhalten  diese  Vorträge  durch  Übungen
eine  Ergänzung,  in  welchen  ganze  Bauwerke  teils  unmittelbar  nach
Vorbildern,  teils  als  kleine  Entwürfe  gezeichnet  werden.

Unabhängig  von  diesen  speziellen  Abschnitten  aus  der  Baugeschichte
  wird  die  allgemeine  Kunstgeschichte  als  zusammenhängende
  Darstellung  der  Entwicklung  sämtlicher  bildenden  Künste
in  einer  Vorlesung,  die  sich  gewöhnlich  auf  einen  Jahreskurs  erstreckt,
vorgetragen.

Eine  weitere  Stufe  des  Unterrichtes  und  die  unmittelbare  Grundlage
  zum  Entwerfen  der  Bauwerke  bildet  die  Gebäudekunde.
Früher  waren  häufig  nur  die  sogenannten  bürgerlichen  Gebäude  der
Gegenstand  dieses  Faches,  und  dasselbe  wurde  alsdann  auch  „Zivilbau“
  genannt.  In  dieser  Vorlesung  wurde  die  Anlage  und  Einrichtung
  der  städtischen  und  ländlichen  Wohngebäude  sowie  der  einfacheren
  öffentlichen  Gebäude  für  Gesundheitspflege,  Verwaltung  und
Unterricht  gelchrt.  Erst  in  neuerer  Zcit  haben  einige  Schulen  mit
einer  weiteren  Entwicklung  dieses  Faches  auch  die  Lehre  von  den
sogenannten  Monumentalbauten  in  dasselbe  aufgenommen,  indem  die
leitenden  Grundsätze  für  die  Einrichtung  der  Theater,  Museen,
Regierungsgebäude  und  allenfalls  auch  der  kirchlichen  Bauten  gegeben
werden.

Eine  Erweiterung  hat  die  Gebäudekunde  noch  durch  die  Lehre
vom  Städtebau  erfahren,  Für  dieselbe  kommen  weniger  die  Aufgaben,
  die  dem  städtischen  Ingenieur  zufallen,  in  Betracht,  als  vielmehr
  die  künstlerischen  Gesichtspunkte,  welche  bei  Anlage  der  Straßen
und  Plätze  maßgebend  sein  sollen.  Sie  betrachtet  die  Gebäude  nach
ihrem  Zusammenwirken  mit  ihrer  Umgebung  und  sucht  die  harmonische
Ausgestaltung  der  Stadtbilder  im  Sinne  vergangener  Zeiten  wieder  zu
erreichen.