70  Der  I.chrbetrieb  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

Das  Freihandzeichnen  wurde  überall  vom  ersten  Studienjahr
an  als  notwendiges  Bildungsmittel  in  den  I.chrplan  der  Architekten
eingesetzt,  indem  durch  dasselbe  in  erster  Linie  das  zeichnerische
Können  und  der  Formensinn  gefördert  werden,  dann  aber  auch,  weil
mit  ihm  die  Kenntnis  des  Ornamentes  und  der  menschlichen  Figur  erworben
  wird,  welche  dem  Architekten  zum  Ausschmücken  der  Bauwerke
  unentbehrlich  sind.  Während  in  den  unteren  Kursen  vorzugsweise
  das  Zeichnen  von  Ornamenten  nach  plastischen  Modellen  betrieben
  wird,  kommen  in  den  oberen  Kursen  Figuren-  und  Landschaftszeichnen,
  Entwerfen  von  Dekorationen  und  Modellieren  von  Ornamenten
als  I.chrgegenstände  in  Betracht.

Eine  wichtige  Einrichtung  der  technischen  Hochschulen  bildeten
von  Anfang  an  die  Prüfungen.  Durch  dieselben  soll  den  Studierenden
die  Gelegenheit  geboten  werden,  sich  über  Umfang  und  Frfolg  ihrer
Studien  einen  Ausweis  zu  verschaffen.  An  der  Architekten-Abteilung
zerfällt  die  Fach-  oder  Diplomprüfung  ebenso  wie  an  den  anderen
Abteilungen  in  cine  Vor-  und  eine  Hauptprüfung.  Erstere  erstreckte
sich  bisher,  wie  bereits  oben  erwähnt  wurde,  wesentlich  nur  über
die  mathematischen  und  die  naturwissenschaftlichen  Fächer,  zu  denen
allenfalls  noch  die  Elemente  der  Baukonstruktionslehre  hinzukamen;
die  Zeit  für  Ablegung  derselben  war  auf  das  Ende  des  ersten  bis
zweiten  Studienjahres  festgesetzt.  Die  Hauptprüfung  am  Ende  der
Studienzeit  umfaßte  dagegen  alle  obligatorischen  Fachgegenstände  und
zerficl  in  cinen  mündlichen,  eincn  schriftlichen  und  einen  praktischen  Teil.

Da  jede  der  deutschen  technischen  Hochschulen  von  ihrer
Gründung  an  den  Lehrbetrieb  selbständig  anordnen  und  ausbauen
konnte,  so  traten  an  denselben  hinsichtlich  der  Anordnung  der
einzelnen  Fächer  und  damit  auch  der  Anforderungen  bei  den  Prüfungen
bedeutende  Unterschiede  zutage.  Indem  man  im  laufe  der  Zeit
immer  mehr  obligatorische  Unterrichtsfächer  einführte,  ergab  sich  eine
Belastung  der  Studienpläne  namentlich  der  Architekten,  die  an  die
Fassungskraft  und  die  Ausdauer  der  Studierenden  zu  hohe  Anforderungen
  stellte,  und  bei  denselben  cher  zu  einer  Verflachung  in  den
Studien  als  zur  Gründlichkeit  führte.  Die  zeichnerischen  Fächer,  deren
eminente  Wichtigkeit  für  die  Ausbildung  der  Architekten  einleuchtend
ist,  wurden  auf  Kosten  der  wissenschaftlichen  Ausbildung  zurückgedrängt,
  und  namentlich  blieb  für  das  Freihandzeichnen  im  Stundenplan
  wenig  Raum  übrig.  Zuden  wurde  der  Übertritt  der  Studierenden
von  einer  Schule  zur  anderen  durch  die  Verschiedenheit  der  Studienplänce
  wesentlich  erschwert  und  war  infolge  der  notwendig  werdenden