4  Der  Lehrbetrieb  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

Wissen  oder  Können  bekunden.  Für  die  Hauptnote  der  Prüfung  fällt
die  Diplomarbeit  oder  der  Prüfungsentwurf  besonders  ins  Gewicht.  Wenn
die  Prüfung  infolge  ungenügender  Kenntnis  in  einem  Fach  nicht  bestanden
  wurde,  so  kann  dieselbe  in  diesem  Fache  gewöhnlich  allein
nachgeholt  werden,  andernfalls  ist  eine  Wicderholung  der  ganzen
Prüfung  erfordcrlich.

Mit  den  neuen  Prüfungsordnungen  und  den  ihnen  entsprechenden
Studienplänen  dürfte  dem  Architekturunterricht  an  den  deutschen
technischen  Hochschulen  cine  wesentliche  Verbesserung  zuteil
werden.  Früher  mit  demselben  verbundene,  jedoch  dem  Fach  fernliegende
  Disziplinen  wurden  wesentlich  eingeschränkt  und  hierdurch
die  Zeit  für  Einführung  solcher  Wissenszweige  und  Kunstübungen
gewonnen,  welche  zur  unentbehrlichen  Ausrüstung  für  den  künftigen
Beruf  dienen.  Durch  eine  sorgfältige  Beschränkung  auf  das  notwendige
  Wissensgebiet  wird  eine  größere  Vertiefung  in  dasselbe  ermöglicht
  und  zudem  im  Studienplan  für  die  zeichnerischen  Fächer,  auf
denen  die  künstlerische  Ausbildung  des  Architekten  beruht,  der  nötige
Raum  gewonnen.  Durch  eine  besondere  Betonung  der  Baugeschichte
als  Stillehre  nach  den  wesentlichen  Richtungen  der  Baukunst  werden
dem  Studierenden  die  mustergültigen  Leistungen  der  Vergangenheit
vorgeführt  und  so  seine  Phantasic  durch  die  besten  Vorbilder  bereichert.
  Der  Architekt  bedarf  neben  einem  sicheren  Können  eines
gefestigten  kunsttheoretischen  Wissens,  durch  welches  er  in  den  Stand
gesetzt  wird,  seine  Schöpfungen  in  organischer  Weise  zu  entwickeln
und  ihnen  einen  ihrer  Bedeutung  entsprechenden  Ausdruck  zu  verleihen.
  Wenn  auch  in  den  Endzielen  des  Unterrichtes  nicht  mehr
ein  unbedingtes  Anschließen  an  frühere  Stilweisen  stattfinden  soll,  so
wird  doch  durch  deren  Studium  die  für  das  Kunstschaflen  nötige
Grundiage  gewonnen.  Auf  derselben  kann  eine  Theorie  der  Kunst,
eine  praktische  Ästhetik,  sich  aufbauen,  welche  die  Bedürfnisse  der
Giegenwart  zielbewußt  ins  Auge  faßt.

Bei  der  früheren  obligatorischen  Teilnahme  am  gleichzeitigen
Entwerfen  nach  verschiedenen  Richtungen  war  eine  gewisse  Oberflächlichkeit
  die  leidige  Folge.  Denn  wenn  es  schon  dem  gereiften
Baukünstler  schwer  fallen  wird,  zugleich  in  verschiedenen  Stilweisen
zu  schaffen,  so  ist  es  sicher  für  den  I.ernenden,  der  die  Formen  noch
nicht  beherrscht  und  deren  richtige  Anwendung  sich  erst  aneignen
muß,  äußerst  anstrengend  und  verwirrend,  wenn  er  gleichzeitig  in
verschiedenen,  einander  in  ihrem  Wesen  entgegengesctzten  Stilarten
seine  schöpferische  Kraft  erproben  soll.  Mit  der  Teilung  des  Unter-