92  Der  Lehrbetrieb  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

dürfte  die  große  Verschiedenheit  der  Stundenanzahl  auffallen.  Es  hat
dics  seinen  Grund  darin,  daß  bisher  gerade  auf  dem  in  Frage  stehenden
Gebiete  manche  Studienpläne  den  Bedürfnissen  der  Bauingenieure
weniger  angepaßt  erscheinen;  gerade  aber  hier  könnte  eine  schr
wünschenswerte  Verringerung  der  Stundenanzahl  ohne  Schädigung  der
technischen  Ausbildung  bewirkt  werden.  Notwendig  erscheint  allerdings,
  daß  das  Gebiet  der  Baumaterialienlehre  von  einem  Dozenten
vertreten  wird,  der  die  Bedürfnisse  der  baulichen  Praxis  ausreichend
kennt  und  zugleich  mit  den  notwendigen  Figenschaften  der  Baustoffe,
ihrer  Gewinnung,  Herstellung,  Prüfung,  Anlieferung  und  Abnahme
vertraut  ist.

Werden  hierbei  —  wie  solches  durchaus  organisch  —  die
wichtigeren  technologischen  Fragen  crörtert  und  wird,  wie  solches
für  den  Bauingenieur  ferner  naturgemäß  ist,  dem  Eisen  als
Konstruktionsmaterial  eine  besondere  Aufmerksamkeit  zugewendet,  so
werden  die  aus  anderen  Abteilungen  entlehnten  Vorträge:  bauwissenschaftliche
  und  mechanische  Technologie  sowie  Eisenhüttenkunde  in
Zukunft  entfallen  können.  Es  wird  dies  notwendig  werden,  wenn
nach  dem  Vorgange  von  Berlin  und  Stuttgart  Zeit  gefunden  werden
soll  für  die  als  durchaus  erwünscht  zu  bezeichnenden  Baustoff-  und
Festigkeitsuntersuchungen  in  den  mechanisch-technischen  \Versuchsanstalten
  oder  besonderen  Festigkeits-I.aboratorien.

Die  Übungen  zur  Untersuchung  der  Baustoffe  werden  in
Berlin  derart  ausgeführt,  daß  die  Gesamtzahl  der  Teilnehmer  in  einzelne
kleinere  Gruppen  (zu  etwa  je  5)  verteilt  wird,  welche  zwar  alle  die
gleichen  Aufgaben  bearbeiten,  aber  mit  Rücksicht  auf  die  immerhin
beschränkte  Anzahl  der  vorhandenen  Hilfsmittel  zu  verschiedenen
Zeiten.  Die  Übungsaufgaben,  welche  sich  dem  Vortrage  eng  angliedern,
  bezwecken,  die  Studierenden  mit  der  Handhabung  der
F’estigkeitsmaschinen  und  der  gebräuchlichen  Meßapparatce  bei  Ausführung
  von  Zug-,  Druck-,  Biege-,  Knick-,  Scher-,  I.och-,  Stauch-,
Torsions-  und  Schlag-Versuchen,  ferner  mit  technologischen  Proben
(Schmiede-,  Ausbreit-,  Biegeproben)  vertraut  zu  machen  sowie  ihnen
die  Verfahren  zur  Prüfung  der  Gesteine  und  der  hydraulischen  Bindemittel
  vorzuführen.  Das  Material  und  der  Gang  der  Versuche  wird
so  gewählt,  daß  die  Ergebnisse  zugleich  einen  Überblick  liefern  über
das  verschiedenartige  Verhalten  der  Metalle  gegenüber  gleichen
Beanspruchungen  sowie  desselben  Metalls  gegenüber  verschiedenen
Beanspruchungen.  Auch  gelangen  Versuche  über  den  Einfluß  der
Stabform  sowie  der  Geschwindigkeit  der  L.aststeigerung  zur  Durch-