Das  Bauingenieurfach.  97

Es  stellt  sich  mithin  die  größte  Abweichung  zwischen  der
kleinsten  Stundensunnme  (München)  und  der  größten  (Stuttgart)  auf
nur  18,5  %9;  es  liegren  also  alle  Einzelwerte  in  nicht  allzu  entfernten
Grenzen,  wodurch  aber  nicht  gesagt  sein  soll,  daß  die  entsprechenden
Studienpläne  auch  annähernd  gleich  zweckmäßig  zu  sein  brauchen.
Die  ermittelten  Werte  werden  später  einen  Rückschluß  auf  das  Verhältnis
  des  vorbereitenden  und  ergänzenden  zum  Hauptstudium  gestatten.


Il.  Das  Hauptstudiun.

Die  Hauptfächer  des  cigentlichen  Studiums  der  Bauingenieurwissenschaften
  sind:

a)  die  Geodäsie,  einschließlich  des  Planzeichnens;

b)  der  Erd-,Straßen-,  Eisenbahn-  und  Tunnelbau  nebst  dem  Gebiete:
FKisenbahnhochbauten;

c)  die  Statik  der  Baukonstruktionen;

d)  der  Brückenbau  und  Eisenhochbau;

e)  der  Wasserbau.

a)  Das  in  erster  Stelle  genannte  Lehrgebiet  der  Geodäsie  ist  insofern
  zu  den  eigentlichen  Studienfächern  der  Bauingenieure  zu  zählen,  als
seine  Anwendung  auf  alle  Gebiete  des  Ingenicurbaufaches  die  gleichumfassende
  ist  —  sowohl  für  Vorarbeiten  wie  für  Bauausführungen.
Es  ist  demgemäß  erklärlich,  daß  die  Lehrstühle  der  Geodäsie  an  allen
Hochschulen  den  Bauingenieur-Abteilungen  angegliedert  sind  und
dem  Lehrgebiete  selbst  in  den  Studienplänen  ein  ziemlich  weiter
Spielraum  eingeräumt  wird;  hierbei  ist  im  besonderen  auf  praktische
Übungen  Rücksicht  genommen.  Verteilung  und  Umfang  des  L.ehrgebietes
  zeigt  Tabelle  K.

In  der  Regel  ist  das  Lehrgebiet  in  „niedere  und  höhere
Geodäsie“  geteilt.  In  den  Vorträgen  über  niedere  Geodäsie  werden
im  besonderen  :—  bald  in  dieser,  bald  in  anderer  Reihenfolge  —  behandelt:
  Die  Größe  und  Gestalt  der  Erde  nebst  den  wichtigsten
geodätischen  Grundbegriffen;  die  geometrischen  Maßeinheiten,  Längenund
  Winkelmaße,  die  dioptrischen  und  katoptrischen  Grundgesctzc;
die  Theorie  und  Prüfung  der  I.upen,  Mikroskope,  Fernrohre  und
Diopter;  Herstellung  und  Berichtigung  der  Dosen-  und  Röhrenlibellen;
Theorie  und  Gebrauch  der  Winkelspiegel  und  Winkelprismen,  Winkeltronmeln,
  Spiegel-  und  Prismenkreuze,  Distanzmesserprismen;  die
Kreisteiluingen  und  Ablesevorrichtungen,  Nonien,  Skalen-  und

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  IV,  ı.  7