Das  Bauingenicurfach.  111

Gesamtanordnungen,  geschichtlich  interessanter  Bauwerke  usw.  eignen,
jedoch  niemals  die  Tafelskizze  des  Vortrages  ersetzen.

In  den  Konstruktionsübungen  werden  —  wie  schon  zum  Teil
aus  den  vorstehenden  Ausführungen  ersichtlich  —  Entwürfe  nach
gegebenem  Programme  bearbeitet.  Um  das  selbständige  Konstruieren
der  Studierenden  zu  fördern  und  das  so  ungemein  schädliche  Kopieren
zu  verhindern,  werden  hierbei  Vorlagen  nicht  zur  Verfügung  gestellt,
höchstens  Zeichnungen  ähnlicher  Bauwerke,  Modelle  usw.  ausgelegt,
um  dem  im  Konstruieren  noch  Unerfahrenen  einige  Anhaltspunkte  zu
geben.  Bald  wird,  und  dies  ist  im  besonderen  bei  stark  besetzten
Übungen  und  Mangel  an  Hilfskräften  nicht  zu  umgehen,  zu  gleicher
Zeit  nur  eine  Aufgabe  behandelt,  bald  werden  cine  Anzahl  verschiedener
  Entwürfe  -——  der  einzelne  meist  von  einer  kleineren  Gruppe  --angefertigt.
  Ncben  der  gegenseitigen  größeren  Anregung  der  Studierenden
  wird  hierbei  wiederum  die  Möglichkeit  des  Abzeichnens  eingeschränkt,
  letzteres  im  besonderen  alsdann,  wenn  auch  in  den
einzelnen  Gruppen  die  Aufgabe  durch  Stellung  besonderer  Bedingungen,
  Änderung  der  Grundmaße  usw.  variiert  wird.

Die  Herstellung  der  Entwürfe  selbst  erfolgt  meist  noch  in  vollkommen
  zeichnerischer  Durchführung,  allerdings  ohne  Eintragung  von
Schatten;  jedoch  bricht  sich  die  Methode,  nur  in  Bleistift  skizzieren
zu  lassen  —  zweckmäßig  unter  V'erwendung  von  Millimeterpapier  —
immer  mihr  Bahn,  im  besonderen  im  Brücken-  und  Eisenhochbau.
Dat  die  Fertigkeit  der  Studierenden  im  Zeichnen  hicrunter  nicht
leidet,  dafür  bürgen  einerseits  die  vielfachen  vorbereitenden  Zeichenübungen,
  im  besonderen  in  der  darstellenden  Geometrie,  im  technischen,
  Plan-  und  Maschinenzeichnen,  andererseits  der  Unistand,  dafs
eine  Anzahl  Entwürfe  des  Eisenbahnbaucs  und  des  Weasserbaues
schlechterdings  nicht  ohne  vollkommene  zeichnerische  Darstellung
aufzustellen  sind.  Soweit  als  möglich  sollte  man  jedoch  den  Studierenden
  eine  unnütze  Zeichenarbeit  ersparen,  umsomcehr  als  auch  die
Kunst,  sauber  in  Blei  zu  skizzieren,  gelernt  sein  will,  und  bei  dem
Gewinne  an  Zeit  es  möglich  wird,  die  Studierenden  mit  den  mannigfachsten
  Aufgaben  zu  beschäftigen.

Die  Lage  der  Übungen  zu  den  Vorträgen  des  Hauptstudiums
ist  bei  den  einzelnen  Bauingenieur-Äbteilungen  und  Lehrgebieten  verschieden;
  bald  liegen  Übungen  und  Vortrag  zu  gleicher  Zeit,  bald
folgen  die  ersteren  den  letzteren  derartig,  daß  der  Studierende  das
gesamte  Vortragsgebiet  bereits  beherrscht,  wenn  er  mit  den  betr.
Konstruktionsübungen  beginnt.  \Wenn  man  auch  über  die  Zweck-