116  Der  L.ehrbetrieb  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

Der  Studiengang  für  Bauingenieure  zerfällt  in  zwei,  je  2  Jahrc*)
umfassende  Hauptgruppen:  die  mathematisch-naturwissenschaftliche
Vorbildung,  die  durch  die  Vorprüfung  abgeschlossen  wird  und  die
auf  dieser  sich  aufbauende  und  mit  der  Hauptprüfung  endende  fachliche
  Ausbildung.  Die  in  der  Hauptprüfung  im  Wasserbau  gestellten
Anforderungen  sind  in  den  verschiedenen  Staaten  Deutschlands  verschieden.
  Das  ist  dadurch  bedingt,  daß  —  im  Gegensätze  zu  den
anderen  Fachabteilungen  —  die  Bauingenicurabteilung  vorwiegend
zukünftige  Staatsbeamte  ausbildet  und  daher  die  staatlichen  Interessen
  voranstchen.  So  hat  Preußen  vermöge  seiner  geographischen
Lage  ein  großes  Interesse  amı  Scebau,  das  bei  den  anderen  eine
technische  Hochschule  besitzenden  Bundesstaaten  in  Fortfall  kommt.
In  Württemberg  bildet  die  Wasserversorgung  großer  Gemeindekomplexe
  einen  erheblichen  Teil  der  staatlichen  Fürsorge  auf  wasserbaulichem
  Gebiete,  die  staatlichen  Interessen  im  Flußbau  sind  in
Bayern  und  Sachsen  nicht  so  vielseitiger  Natur  als  in  Preußen  usw.
AI  dieses  bedingt  und  erklärt  eine  Verschiedenheit  in  den  Prüfungsanforderungen,
  und  dicse  Verschiedenheit  kommt  in  den  Studienplänen
  der  Ilochschulen  hinsichtlich  des  Umfangs  und  Gewichts  der
zum  Wasserbau  gehörigen  Disziplinen  zum  Ausdruck.  Nur  dort,  wo
eine  übrigens  allgemein  angestrebte  gegenseitige  Anerkennung  der
Prüfungen  besteht,  wie  das  für  Braunschweig,  Hessen  und  Preußen
der  Fall  ist,  sind  auch  die  Prüfungsanforderungen  einheitlicher  Natur.
\Wenn  trotzdem  der  Ausbau  der  Studienpläne  der  Hochschulen  auch
dieser  Staaten  ein  sehr  verschiedenartiges  Gepräge  aufweist,  so  ist
das  verschiedenen  Umständen  zuzuschreiben.  Einmal  ist  den  betreffenden
  Fachlehrern  genügend  Spielraum  «gewahrt,  um  das  im
allgemeinen  übereinstimmende  l.chrziel  auf  den  ihrer  Eigenart  entsprechenden
  Wegen  zu  erreichen,  zum  andern  ist  der  Umfang  von
Einfluß,  den  die  anderen  L.ehrgebiete  —  Brückenbau,  Fisenbahnbau
  usw.  —  im  Studienplane  einnehmen,  und  endlich  ist  die  Verteilung
  und  Ausbreitung  des  Lehrstoffes  auf  den  verschiedenen  Hochschulen
  je  nach  der  Zahl  der  vorhandenen  Dozenten  eine  verschiedene.
  Über  den  letzten  Punkt  insbesondere  gibt  die  folgende

Tabelle  Aufschluß.

Es  sind  am  Unterrichte  im  Wasserbau  beteiligt:

*,  Nur  Dresden  bildet  eine  Ausnaline  mit  9  Semestern  Gesamtstudiendauer,  die
aber  für  die  zu  Michaelis  Eintretenden  auf  8  Semester  beschrünkt  werden  kann.