V.  Das  Maschinen-Ingenieurwesen.

Die  Pflege  der  Maschinenkunde  und  in  ihrer  späteren  Entwicklung
  des  Maschinen-Ingenieurwesens  an  den  technischen  Hochschulen
  nimmt  vielfach  eine  Sonderstellung  ein.  Andere  Gebiete  des
Hochschulunterrichts  hatten  frühzeitig  eine  ausgeprägte  Richtung;  die
Architektur  hatte  selbst  ihren  Inhalt  nie  zu  ändern,  die  Baukunst
und  die  eigrentlichen  Bauingenieurfächer,  ebenso  wie  die  technische
Chemie  hatten  zwar  mit  der  fortschreitenden  Entwicklung  ihren  sachlichen
  Inhalt  zu  wechseln,  aber  die  Entwicklung  bewegte  sich  doch
auf  vorgezeichneter  Bahn,  ja,  einzelne  Zweige,  wie  das  Bauingenieurwesen
  und  das  Eisenhüttenwesen,  hatten  mit  neuen  Arbeitsverfahren
in  dem  Maße  zu  tun,  als  die  Maschinentechnik  neue  Mittel  bot.  Z.  B.
ist  die  Kiscn-  und  Stahlerzeugung  in  dem  Maße  zu  einem  besonderen
Fache  herangewachsen,  als  die  Massenerzcugung  die  ausgedehnteste
Mitwirkung  des  Maschinenwesens  forderte.

Demgegenüber  ist  die  Maschinenkunde  wie  das  Maschinenwesen
  selbst  gekennzeichnet  durch  cine  sprunghafte  Iintwicklung,
die  das  Vorangegangene  umstößt,  völlig  nceuc  Richtungen  und
neuen  Inhalt  fordernd..  Die  dementsprechende  Entwicklung  des
Maschinen-Ingenieurwesens  an  den  Hochschulen  beginnt  schr  spät,
und  es  ist  bezeichnend,  daß  ihr  staats-  und  volkswirtschaftliche
  Bestrebungen  weit  voraneilen.

Der  große  Kurfürst  hatte  schon  1667  den  Plan,  eine
umfassende  technische  Lehranstalt  in  Tangermünde  zu  errichten,  ein
Plan,  der  insbesondere  deshalb  von  Interesse  ist,  weil  cine  für  die
damalige  Zeit  weitgehende  Ausbildung  des  technischen  Studiums  und
insbesondere  die  Errichtung  von  physikalisch-technischen  und  von
maschinentechnischen  Laboratorien  ins  Augc  gefaßt  war.  Die
Grundidee  war  unzweifelhaft  die  Erweiterung  und  Anwendung  des
naturwissenschaftlichen  Studiums,  eine  Idee,  die  erst  nach  mehr  als