126  Der  l.chrbetrieb  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

zwci  Jahrzehnten  zur  Geltung  wekommen  ist  und  gegenwärtis  der
Ingenieurausbildung  zugrunde  liegt.  Dieser  Plan  ist  jedoch  nach
keiner  Richtung  hin  verwirklicht  worden.

Kurfürst  Friedrich  Il.  hat  bei  der  Gründung  der  „Akadcemic
der  Künste“  auch  die  Pflege  der  „mechanischen  Wissenschaften“
  beabsichtigt.  Von  diesem  \Wunsche,  der  der  Zeit
weit  vorangeceilt  war,  wurde  nichts  verwirklicht.  Selbst  König
Friedrich  der  Große,  der  ununterbrochen  seine  Aufmerksamkeit
auf  die  Förderung  des  Gewerbefleißes  richtete,  hat  die  erforderlichen
  Schulen  nicht  ins  Leben  rufen  können;  seine  „ecole  de
gönie  et  d’architecturc“,  der  Anfang  einer  höheren  technischen  L.ehranstalt
  für  die  Staatsbedürfnisse,  ist  unentwickelt  geblieben;  ihre
Tätigkeit,  die  in  den  bescheidensten  Grenzen  in  den  Räumen  des
Königlichen  Schlosses  selbst  begann,  hat  bald  ein  Ende  gefunden.
Die  vielfach  angestrebte  Entwicklung  eines  gewerblichen  Unterrichts
blicb  aus,

Friedrich  Wilhelm  II.  hat  durch  die  Gründung  der  Bauakademie
  eine  Lehranstalt  für  höhere  technische  Ausbildung  geschaffen,
  die  zunächst  auch  nur  für  die  Bedürfnisse  der  Staatsverwaltung.gedacht
  war.  Ihr  Zweck  war  „die  theoretische  und  praktische
Ausbildung  tüchtiger  Land-  und  Wasserbaumeister,  auch  Bauhandwerker“
  Die  Bauakademie  hatte  wesentlich  die  Bedürfnisse  des
Kancralbauwesens  zu  befriedigen.  In  dieser  Richtung  hat  sie
sich  tatsächlich  zur  Hochschule  für  die  Heranbildung  von  Staatsbeamten,
  zugleich  aber  auch  zur  Hochschule  für  Architektur  und
Bauingenieurwesen  entwickelt  und  kann  auf  Leistungen  hinweisen,
mit  denen  sic  sich  gleichartigen  älteren  l.ehranstalten,  insbesondere
den  berühmten  französischen  Vorbildern,  ebenbürtig  zur  Seite  stellt.
Hingegen  ist  die  ausdrückliche  Zusatzaufsabe:  cine  gewerbliche
Ausbildung  für  Bauhandwerker  zu  schaffen,  nicht  erfüllt  worden.  Selbst
die  Richtung  einer  höheren  technischen  Ausbildung  hat  wiederholten
  Schwankungen  unterlegen  zugunsten  einer  überwiegend  künstlerischen
  Ausbildung.  So  wurde  anfangs  des  19.  Jahrhunderts  die
Bauakademie  mit  der  Akademie  der  Künste  vereinigt.  Durch
diese  Vereinigung  konnte  die  Ingenicurausbildung  nicht  gewinnen,
und  die  Ablenkung  von  der  Richtung  gewerblicher  Ausbildung
mußte  noch  vollständiger  werden.  Diese  Sachlage  hat  wiederholte
Reformbestrebungen  hervorgerufen.  Die  am  weitesten  ausgreifenden
Reformpläne  waren  die  von  1817,  welche  die  Schaffung  einer  großen
mathcmatisch-technischen  L.chranstalt  unter  Ileranziehung  des