Das  M  hi  I  &amp;  i  WESEN.  127

Berg-  und  Forstwesens  und  auch  die  Pflege  der  gewerblichen  Ausbildung
  bezweckten.  Diese  Reformplänc  blieben  unausgeführt.  Wohl
aber  wurde  die  Bauakadeniie  wieder  von  der  Kunstakadeniie
losgetrennt.

Alle  diese  Bestrebungen  zeigen  das  immer  wiederkehrende  Bestreben,
  die  gewerbliche  Ausbildung  zu  fördern,  ohne  daß  das
Geringste  in  dieser  Richtung  zustande  kommt,  während  das,  was
lebensfähig  entwickelt  wird,  innerhalb  der  Interessen  des  staatlichen
Bauwesens  und  der  Kunstpflege  verbleibt.  Gewerbe  und  Industrie
finden  nirgends  im  höheren  Unterricht  eine  Pflegestätte  trotz  aller
Anregung,  trotz  aller  gutgemeinten  Absichten.

Das  Bild  wird  vervollständigt  durch  die  beachtenswerte  Tatsache,
daß  schon  von  der  zweiten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  ab  zahlreiche
Universitäten  die  Maschinenkunde  in  ihre  Lehraufgabe  aufnahmen,
und  zwar  in  der  ausgesprochenen  Absicht,  im  Dienste  des  Kameralwesens
  den  Juristen  und  künftigen  Verwaltungsbeamten  Belchrung
  über  Maschinenwesen  zu  bieten.  Was  gegenwärtig  häufig  gefordert
  wird,  der  Verwaltungsbeamte  solle  sich  Kenntnis  der  Industrie
und  ihrer  Arbeitsbedingungen  aneignen,  das  wurde  damals  ernsthaft
als  besonderer  Zweig  der  staatswissenschaftlichen  Ausbildung  angestrebt.
  Mitte  des  19.  Jahrhunderts,  also  etwa  zur  gleichen  Zeit,
als  die  technischen  Akademien  sich  allmählich  zu  technischen  Hochschulen
  zu  entwickeln  begannen,  ist  die  ganze  Richtung  von  den
Universitäten  wieder  verschwunden.  Warum?  Weil  dieser  Disziplin
der  innere  wissenschaftliche  Wert  fehlte.  Die  Universitäten  konnten
damals  die  Maschinenkunde  im  Sinne  einer  Belehrung  über  industrielle
und  gewerbliche  Verhältnisse  nur  aufnehmen  im  Sinne  einer  allgemeinen
  Technologie  oder  im  Sinne  ciner  mathematischen  Behandlung
  einzelner  Maschinenprobleme,  also  im  Sinne  einer  angewandten
Mechanik.  Beides  mußte  vollständig  versagen,  denn  die  Technologie
als  Lehre  von  den  Arbeitsprozessen  und  Arbeitsmitteln  befand  sich
damals  auf  äußerstem  Tiefstande;  sie  war  kaum  mehr  als  eine
Rezeptenkunde,  eine  Beschreibung  einzelner  Maschinen,  und  die
wissenschaftliche  Behandlung  von  maschinentechnischen  Problenien,
insbesondere  in  mathematischer  Form  und  durch  die  Mathematiker
der  Universitäten,  konnte  damals  keine  Früchte  bringen,  weil  alle
wissenschäftlichen  Grundlagen  fehlten,  weil  der  dürftige  Stoff  wissenschaftlicher
  Behandlung  überhaupt  noch  nicht  zugänglich  war.  So
beschränkten  sich  diese  Vorlesungen,  wie  die  Literatur  der  damaligen
Zeit  beweist,  auf  die  Theorie  einfacher  Maschinen,  der  meist  nur  das