128  Der  Lehrbetriel  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

einfache  Hebelgesetz  zugrunde  gelegt  wurde,  oder  auf  die  enzyklopädische
  Beschreibung  von  Maschinen  und  Arbeitsvorgängen.  Solche
Lehrgebiete  konnten  trotz  der  vorzüglichen  Absicht  keine  Erfolge
zeitigen;  sie  sind  infolgedessen  wieder  vollständig  verschwunden.  Es
ist  aber  beachtenswert,  daß  die  Universitäten  Lehrstühle  für  Technologie
  und  Maschinenkunde  —  allerdings  nur  als  Anhängscel  von
Kamcralgebieten  —  besaßen,  und  daß  diese  Gebiete  damals  bis
nach  der  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  an  den  wenigen  eigentlichen
technischen  Schulen  auch  nicht  besser  oder  umfangreicher  vertreten
waren.  Auch  an  den  frühzeitig  entwickelten  französischen  Staatsschulen
  war  die  Maschinenkunde  entweder  garnicht  oder  äußerst
dürftig  durch  cine  I.chrstelle  technologischer  Richtung  vertreten.
Die  deutschen  Universitäten  haben  also  diese  Richtung  früher  zu
pflegen  begonnen  als  die  technischen  Lehranstalten  anderer  länder,
die  ursprünglich  nur  Architcktur-  und  Bauingenieur-Schulen  waren
und  der  Maschinenkunde  überhaupt  keine  Pflege  gewährten.

Mit  diesem  Bilde  der  oft  versuchten  und  stets  versagenden  Pflege
der  Lichre  vom  Maschinenwesen  an  den  höheren  Lehranstalten  stimmt
auch  das  Bild  überein,  welches  die  Maschinentechnik  in  Gewerbe  und
Industrie  der  damaligen  Zeit  darbot.

Der  deutsche  Maschinenbau  ist  alten  Ursprungs  und  kann  auf
eine  lange,  durchaus  selbständige,  aber  empirische  Entwicklung  zurückblicken;
  ım  Bergbau  hat  die  deutsche  Maschinentechnik  allen  anderen
voran  frühzeitig  Tüchtiges  geleistet.  Die  Maschinen  im  Dienste  des
Bergbaus,  in  Freiberg,  Clausthal  und  im  Bereiche  der  deutschen
Salinenwerke  waren  im  Hinblick  auf  die  damaligen  unentwickelten
Hilfsmittel  staunenerregend.  Frühzeitig  hat  sich  auch  der  deutsche
Mühlenbau  und  die  Ausnutzung  von  Wäasserkräften  für  industrielle
Zwecke  entwickelt.  Alles  beruhte  jedoch  auf  regelloser  Erfahrung.
Immerhin  erstand  auf  dieser  Grundlage  eine  Industrie;  die  „Manufaktur“
  erlangte  Bedeutung  im  Staate,  und  daraus  ergab  sich  das
Bestreben,  die  künftigen  Verwaltungsbeanten  des  Staats  an  den
Hochschulen  über  die  Technologie  der  Manufaktur,  des  Fabrikwesens
zu  belehren.

Die  Ausnutzung  der  beiden  Naturkräfte:  Wasserkraft  und
Windkraft  war  nicht  ausreichend  zur  Entwicklung  im  großen;  cine
Industrie  bescheidenen  Umfangs  konnte  sich  nur  in  Bergländern  und
einigen  Flußgebieten  entwickeln,  wo  Wasserkräfte  zur  Verfügung
standen.  Die  Kohle  als  Kraftmittel  fehlte  noch.

Nun  kam  ein  neuer  Strom  ins  Land  von  jenseits  des  Kanals: