La}

Das  Maschi  T  jeurwesen.  129

die  neuc  Dampfkraft;  die  Dampfmaschine,  die  an  keine  Grenzen
der  l.eistung  und  an  keine  bestimmte  Örtlichkeit  gebunden  war,  trat
als  mächtige  Gehilfin  auf.  Mit  ihr  kam  die  Entwicklung  der  Industrie,
die  einen  um  so  mächtigeren  Aufschwung  nahm,  als  die  neue
Energieform  den  deutschen  Boden  nicht  unvorbereitet  fand,  sondern
die  uralte  deutsche  Maschinenkunst  antraf.  Diese  hat  denn  auch  die
neuc  Richtung  nicht  sklavisch  nachgeahmt,  sondern  lebensfähiges
Neues  geschaffen.  In  unerhört  kurzer  Zeit  ist  aus  diesem  Ineinanderfluten
  zweier  Richtungen  der  deutsche  Maschinenbau,  sind  die  vielsestaltigen
  Maschinenbetriebe  entstanden.  Und  nun  vollzieht  sich  der
großse  Umschwung,  der  in  unseren  Tagen  noch  nicht  zum  Abschluß
gekommen  ist,  aber  unaufhaltsam  vorschreitet:  dic  Industrie,  die
früher  nur  als  eine  Eigentümlichkeit  Englands  angeschen  wurde  und
auf  andere  Orte  nicht  verpflanzbar  schien,  erwuchs  zum  mächtigen
belebenden  Faktor  und  crlangte  in  raschem  Anwachsen  große
Bedeutung.  Diese  Umwälzung  vollzog  sich  bis  zur  ersten  llälfte  des
19.  Jahrhunderts  in  aller  Stille,  aber  in  mühevollem  Kampfe,  der  vom
Maschinenbau  zuerst  auf  dem  harten  Boden  der  Empirie,  erst  viel
später  auf  wissenschaftlicher  Unterlage  geführt  wurde.

Die  Entwicklung  des  Maschinenwesens  ist  deshalb  in  Deutschland
verhältnismäßig  spät  erfolgt.  Erst  mit  dernationalen  Einigung  begann
sich  aus  der  schr  tüchtigen,  aber  örtlich  engbegrenzten  deutschen
Maschinenindustrie  eine  Industrie  von  Weltbedeutung  zu  entwickeln.
In  denı  überwiegend  ackerbautreibenden  Staat  wuchs  cin  mächtiger
Industriestaat  empor;  die  Industrie,  die  früher  wesentlich  für  die  örtlichen
  Bedürfnisse  des  Montanwesens  und  der  Lisenbahnen  arbeitete,
entfaltete  sich  zu  einer  umfassenden  Großindustrie,  und  mit  ihr  erstand
der  Welthandel  mit  seinen  großen  Bedürfnissen  und  Verkehrscinrichtungen.
  Hierzu  trat  schließlich  die  vielgestaltige,  gerade  in
Deutschland  sich  hoch  entwickelnde  elektrotechnische  Industric.
Die  Kraftversorgung  und  Fnergie-Verteilung  stellte  neue  große
Aufgaben  von  größter  Bedeutung  für  die  Allgemeinheit.
Hierdurch  sowie  durch  die  außerordentliche  Vervollkommnung  der
Werkzeuge  und  Werkzeugmaschinen  wurden  völlig  neuc  Verhältnisse
  geschaffen,  denen  der  Hochschulunterricht  rechtzeitig  folgen
und  nach  Möglichkeit  vorangehen  mußte.

Während  dieser  Entwicklungszeit  der  Industrie  und  des
Maschinenwesens  war  der  technologische  Unterricht  an  den
Universitäten  abgestorben,  an  den  technischen  Akademien,  welche
nur  dem  Bauwesen  dienten,  nicht  entwickelt  worden.  Nun  aber  kam

Dar  Unterrich  im  Deutschen  Reich.  IV.  r.  9