Das  Maschinen-Inpenieurwesen.  131

Lehrfreiheit  an  der  Gewerbeakademie  und  die  Einrichtung  von
Staatsprüfungen  für  die  Richtung  des  Maschinenbaus  waren  äußerliche
Fortschritte,  welche  das  innere  Wesen  nicht  berührten  und  das  Ansehen
der  Anstalt  wenig  vermehrten.

Erst  in  der  zweiten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  hat  die  wissenschaftliche
  Entwicklung  der  Gebiete  des  Maschinenwesens  begonnen.
In  der  Schweiz,  in  Süddeutschland  und  Österreich  entstanden  polytechnische
  Lehranstalten,  welche  außer  den  älteren  Gebieten  der
Baukunst  die  neueren  des  Maschinenbaus  umfafsten  und  zu  großer
Blüte  gelangten.  1879  wurde  endlich  in  Berlin  die  Technische
Hochschule  gegründet  und  an  ihr  die  Abteilungen  für  Maschineningenieurwesen
  und  für  Chemie  und  Hüttenkunde  als  gleichwertig  den
älteren  Zweigen  der  Architekturund  des  Bauingenieurwesens  angegliedert.
Eine  freie  Verfassung  nach  dem  Vorbilde  der  Universitäten,  die  Lernund
  Lehrfreiheit  und  die  wissenschaftliche  Behandlung  des  Unterrichts
  bildeten  die  Grundlagen  dieser  Vercinigung,  auf  denen  die  ncue
Hochschule  zu  hoher  Blüte  gelangte.

Die  Versuche,  zu  einer  wissenschaftlichen  Behandlung  des
Maschineningenieurwesens  zu  gelangen,  sind  im  wesentlichen  durch
zwei  Vorstufen  der  heutigen  Entwicklung  gekennzeichnet,  auf  denen
irrtümliche  Auffassungen  herrschten.

Als  das  Maschinenwesen  in  der  Gewerbeakademie  eine  Pflegstätte
  fand  und  Maschinenkunde  wissenschaftlich  gelehrt  werden
sollte,  war  die  erste  Stufe  das  Bestreben,  aus  der  Empirie,  aus  dem
Studium  von  Vorbildern  Regeln  für  den  Maschinenbau  zu  entwickeln.
Viel  ernste  Arbeit  wurde  aufgewendet.  Der  Erfolg  im  großen  blieb
aus,  die  Empiric  blieb  herrschend,  und  alle  Versuche,  sic  zu  verallgemeinern,
  mußten  auf  Irrtümer  führen;  ebenso  ergaben  sich
Irrtümer  aus  der  Verallgemeinerung  durch  mathematische  Behandlung,
  da  die  Ausgangspunkte  der  vermeintlichen  wissenschaftlichen
  Rechnung  doch  keine  unwandelbaren  Grundlagen,  sondern
Annahmen  auf  Grund  empirischer  Erfahrungen  waren.  Diese  einseitigce
  rechnerische  Behandlung  auf  Grund  von  Annahmen  hat  das
Maschineningenicurwesen  fast  gar  nicht  gefördert,  vielmehr  Schaden
angerichtet.  Ebenso  wenig  erfolgreich  waren  die  Bestrebungen  auf
der  zweiten  Stufe.  Die  Mechanik  bot  die  ersten  wissenschaftlichen
Grundlagen  der  Materialienkunde  und  Festigkeitsichre.  Ihre  Anwendung
  auf  maschinentechnische  Aufgaben  führte  zu  einer  vermeintlichen
  allgemeinen  Maschinen-,,  Theorie“.  In  Wirklichkeit  gab
es  aber  nur  wissenschaftliche  Methoden,  Werkzeuge  des  Wissens,

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