132  Der  l.chrbetrieb  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

und  die  Verlockung,  sie  unbekümmert  um  die  Richtigkeit  der  Grundlagen
  rein  rechnerisch  oder  deduktiv  auf  maschinentechnische  Aufgaben
  anzuwenden,  konnte  nur  zu  Mißerfolgen  führen.  Erst  Ende
der  siebziger  Jahre  wurde  der  richtige  Weg  betreten,  der  Weg  der
Forschung,  des  Experiments  an  den  Maschinen  selbst  und
die  wissenschaftliche  Auswertung  der  Forschungsergebnisse.  Die
Forschungen  mußten  anfänglich  mühevoll  an  den  Maschinen
der  Industrie  vorgenommen  werden,  was  vielseitige  Beobachtung
und  Schlußfolgerung  schr  erschwerte;  erst  in  den  neunziger
Jahren  erhielten  die  technischen  Hochschulen  das  Wesentlichste
für  selbständige  wissenschaftliche  Arbeit:  die  L.aboratorien,  insbesondere
  die  Maschinenlaboratorien  für  dic  verschiedenen
Richtungen  des  Maschineningenicurwesens,  und  mit  ihnen  die
Möglichkeit,  den  Unterricht  auf  den  einzig  richtigen  Boden  zu
stellen,  auf  den  des  wissenschaftlichen  Experiments,  welches
aber  nicht,  wie  das  physikalische,  die  naturwissenschaftliche  Abstraktion
  sucht  und  nur  eine  Wirkung  verfolgt,  alle  andern  ausschließt,
  sondern  von  vornherein  die  Gesamtwirkung  aller  Ursachen
in  die  wissenschaftliche  Betrachtung  einbezieht.

Die  Lehrtätigkeit  in  diesem  Sinne  hat  die  große  Entwicklung
des  maschinentechnischen  Studiums  zur  Folge  gehabt  und  zugleich
die  Möglichkeit  geboten,  die  technischen  Wissenschaften  zu  vertiefen.
Gleichzeitig  hatte  der  Aufschwung  des  nationalen  I.cbens  einen  gewaltigen
  Aufschwung  der  deutschen  Industrie  zur  T'olge,  der  die
technischen  Hochschulen  wesentlich  förderte.  Die  im  großen  Maßstabe
  sich  entwickelnde  Industrie  schuf  wiederum  das  Bedürfnis  nach
wissenschaftlich  gebildeten  Mitarbeitern.  Gleichzeitig  stieg  auch  die
Bedeutung  aller  staatlichen  Betriebe,  die  immer  höhere  Anforderungen
an  die  wissenschaftliche  Ausbildung  stellen  mußten.  Durch  die
wissenschaftliche  Ausbildung  aber,  insbesondere  der  Maschinentechnik,
durch  den  inneren  Wert  der  Fachwissenschaften  ist  die  frühere
Kluft  zwischen  den  einzelnen  technischen  Richtungen  geschlossen
  worden.  Der  innere  wissenschaftliche  Wert  der  technischen
  Fächer  ist  es  auch,  der  die  Gleichberechtigung  der  technischen
  Hochschulen  mit  den  Universitäten  zur  Anerkennung
gebracht  hat;  die  errungenen  Rechte  der  Hochschulen  sind  die  äußeren
Zeichen  dieser  innern  Gleichwertigkeit.

Obwohl  alle  Gebiete  der  Ingenieurwissenschaften  eine  große  Entwicklung
  durchgemacht  haben,  so  ist  doch  das  wissenschaftliche  Studium
des  Maschineningenieurwesens  an  den  Ilochschulen  zu  besonders