Das  Maschi  1  j  wesen.  135

Diese  Beziehungen  zur  Ausbildung  von  Staatsbautechnikern
haben  in  der  ncuesten  Zeit  cine  weitere  gesunde  Entwicklung  erfahren
dadurch,  daß  die  preußische  Staatsbauverwaltung  auf  die  Abhaltung
besonderer  Prüfungen  während  und  bei  Vollendung  des  akademischen
Studiums  verzichtet  hat,  die  akademische  Prüfung  als  Vorbedingung
des  Eintritts  in  den  Staatsbaudienst  verlangt  und  selbst  nur  die  Tachprüfung
  der  Regierungsbaumeister  vornimmt.  Hierdurch  ist  der  Zwicspalt
  im  wissenschaftlichen  Studium  vermieden,  die  Einheit  des
Studiums  für  alle  Richtungen  und  cine  richtige  Berufswahl  von
seiten  der  Studierenden  erreicht.

An  dic  Stelle  der  gewerblichen  Ausbildung  ist  an  den  Hochschulen
die  wissenschaftliche  Vorbildung  und  fachwissenschaftliche  Ausbildung
von  Ingenieuren  getreten.  Was  sich  nicht  wissenschaftlich  behandeln
läßt,  kann  in  L.ehrgebiet  der  Hochschule  keinen  Platz  finden.  Nur
auf  wissenschaftlicher  Grundlage  kann  die  eigenartige  Richtung  fachwissenschaftlichen
  Denkens  und  auf  ihr  fußsend  die  Gestaltung
der  Konstruktionen  für  die  praktischen  Zwecke  der  Ausführung  und
des  Betriebs  durch  Konstruktionsübungen  gelehrt  werden.

Diese  Hauptaufgabe,  richtiges  fachwissenschaftliches  Denken,
richiges  Erfassen  der  verwickelten  Ingenicuraufgaben  und  richtiges
Gestalten  für  die  praktische  Anwendung  zu  lehren,  zeichnet  der
Hochschule  die  einzuhaltende  Richtung  vor.

Kein  l.chrgebiet  an  der  Hochschule  ist  Selbstzweck,  jedes  hat
für  sich  und  im  Zusammenhange  mit  Nachbargebieten  dieser  Ilauptaufgabe
  zu  dienen.  Dice  llochschule  hat  die  Aufgabe,  wissenschaftlich
  denkende  und  richtig  gestaltende  Ingenieure  auszubilden.
An  der  Hochschule  ist  somit  kein  Raum  für  rein  spekulative  Richtungen,
  ebensowenig  wie  für  bloße  Spezialisten  im  Sinne  einseitiger
Bearbeitung  von  Sondergrebicten.  Hingegen  müssen  die  fachwissenschaftlichen
  Gebicte  vertieft  betrieben  werden.  Eine  einseitig  thcoretische
  und  jede  oberflächliche  Behandlung  ist  zweck-  und  erfolglos.
Die  vertiefte  Behandlung  einzelner  Fachgebiete  dient  aber  nicht  dem
Spezialistentum,  sondern  soll  nur  Beispiele  liefern,  an  denen  die
Studierenden  die  Art  richtiger  Erfassung  und  gründlicher  Bearbeitung
üben  sollen.  Bei  der  immer  fortschreitenden  Entwicklung  der  Fachwissenschaften
  ist  an  der  Oberfläche  nichts  mehr  zu  holen.  Nur  eindringende
  Kenntnis  und  Beherrschung  der  Grundlagen  sowohl  wie
der  fachwissenschaftlichen  Anwendungen  kann  zunı  Ziele  führen.  Das
Ziel  kann  daher  nicht  scin,  in  zahlreichen  Ingenicurgebieten  unter-