VI.  Die  Elektrotechnik.
(Mit  einer  Tafel.)

Die  Entwicklungsgeschichte  der  Elektrotechnik  zeigt  deutlich,
wie  Technik  und  Wissenschaft  Hand  in  Hand  gehen.  Während  die
Technik  durch  Erfindungen  und  Entdeckungen  sprungweise  vorgeht,
folsst  die  Wissenschaft  stetig  und  ruhig  nach,  indem  sie  stufenweis
Steinchen  auf  Steinchen  zusammenfügt,  um  auf  festen  Grundlagen
ihr  Gebäude  zu  erweitern.

Auf  streng  wissenschaftlichen  Grundlagen  baute  zunächst  die
I.chre  von  der  Elektrizität  auf;  sie  erforschte  den  Zusammenhang  der
elektrischen  Größen  unter  einander  und  ihre  Bezichungen  zu  den
mechanischen  Größen;  die  Gesetze  der  Stromvertcilung  führten  zur
Aufstellung  feiner  Meßmethoden;  die  Erscheinungen  der  Induktion
brachten  weitere  Fortschritte  und  gestatteten,  kleine  Maschinenmodelle
zu  bauen;  die  chemischen  Wirkungen  führten  zur  Zerlegung  mancher
Stoffe;  indessen  blieben  alle  Versuche  auf  diesen  verschiedenen  Gebieten
  auf  den  engen  Raum  der  physikalischen  Laboratorien  und  des
Studierzimmers  beschränkt,  bis  die  Technik  eingriff  und  die  wissenschaftlichen
  Forschungen  und  Ergebnisse  in  ihren  Dienst  stellte.  Nur
sie  vermag  cs,  nicht  zum  wenigsten  unter  Anwendung  ihrer  Kapitalskraft,
  gewaltige,  einschneidende  Versuche  im  größten  Maßstabe  anzustellen,
  um  irgend  eine  Erscheinung  praktisch  anwendbar  zu  machen
und  wirtschaftlich  auszugestalten.  So  gelang  cs  der  Technik,  die
Wärme-  und  Lichterscheinungen  in  dem  clektrischen  Bogen-  und
Glühlicht  zu  einer  ungeahnten  Anwendung  in  der  Belceuchtungstechnik
  zu  verwenden.  Eine  großartige  Technik  hat  sich  daraus  entwickelt,
  wenn  man  bedenkt,  daß  jährlich  etwa  50  Millionen  Glühlampen
  in  Europa  und  Amerika  hergestellt  und  verbraucht  werden.
Hand  in  Hand  damit  ging  die  Entwicklung  und  der  Ausbau  der
Leitungssysteme  und  L.eitungsnetze,  für  die  die  Kupfer-  und  Kabel-Industrie
  tätig  ist.

Um  indessen  den  stetig  zunehmenden  Mehrbedarf  an  elektrischer