150  Der  I.ehrbetrieb  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

Lehrkräfte  gewiß  nicht  nach  (Bergakademie  Berlin:  Kerl  für
Metallhüttenwesen,  Wedding  für  Eisenhüttenwesen.  —  Clausthal:
Schnabel  für  Mectallhüttenwesen.  —  Freiberg:  Ledcebur,  Eisenhüttenwesen;
  Plattner  und  Richter,  Metallhüttenwesen).  Bis  1897
bestand  an  der  königlichen  technischen  Hochschule  Aachen  nur  einc
ctatsmäßige  Professur  für  das  gesamte  Metallhüttenwesen;  die
technische  Hochschule  Berlin  hat  auch  heute  nur  cine  Professur.

Auch  die  chemische  Ausbildung  der  Hüttenlceute  lag  auf
den  Bergakademien  in  den  besten  Händen  (Berlin:  Finkner;
Clausthal:  Hampe;  Freiberg:  Winkler).

Aber  damit  kommen  wir  zu  dem  Brennpunkte  der  Frage:  Der
Schwerpunkt  der  Ausbildung  der  Hüttenleute  auf  den  Bergakademien
  war  (und  früher  mit  vollem  Recht)  auf  die  chemischmetallurgischen
  Studien  gelegt  und  liegt  dort  noch  heute!

Zweifellos  hat  die  chemisch-metallurgische  Ausbildung  der  Hüttenleute
  heute  keineswegs  an  Bedeutung  verloren,  im  Gegenteil  ist
darauf  nach  wie  vor  der  größte  Wert  zu  legen,  aber,  wie  selbst  in
der  theoretischen  Chemie  die  Zurückführung  der  Lehren  über
chemische  Vorgänge  auf  einfache  physikalische  Gesetze  den  Studierenden
der  Chemie  mehr  und  mehr  auf  die  Bedeutung  des  Studiums  der
Physik  hinweist,  so  hat  sich  in  derselben  Zeit  auch  für  den  Metallurgen
das  Studium  der  technischen  Mechanık  und  des  AMlaschinenwesens,
also  der  angewandten  Physik,  zu  einem  mit  der  Chemie  mindestens
gleichbedeutenden  Faktor  des  von  ihm  zu  erstrebenden  Wissens  entwickelt.


Bei  dem  Einbringen  der  gewaltigen  Mengen  von  Rohstoffen  in
die  metallurgischen  Betricbe,  bei  dem  Durchgange  derselben  durch
die  ganze  Apparatur,  bei  der  mechanischen  Vollendung  der  Erzeugnisse
  kann  viel  verloren,  viel  gewonnen  werden.  Hier  kann  keine
Metallchemie  mehr  helfen;  hier  muß  das  Ingenicurwissen  des  heutigen
Hüttenmannes  eingreifen,  und  für  dieses  Fach  ist  die  technische  Hochschule
  nach  ihrer  ganzen  Anlage  besser  eingerichtet,  als  die  Bergakademie.
  Während  auf  den  Bergakademien  das  Maschinen-  und
Bauwesen  durch  je  eine  Lehrkraft  vertreten  ist,  besitzen  die
technischen  Hochschulen  Abteilungen  für  Maschineningenieure  und
Elektrotechniker  sowie  für  Bauingenicure.  Während  dic  Professoren
des  Maschinen-  und  Bauwesens  auf  den  Bergakademien  in  fast  übermenschlicher
  Anstrengung  die  Studierenden  des  Berg-  und  Hüttenwesens
  in  das  Gesamtgebiet  der  Ingenicurwissenschaften  einzuführen
bemüht  sein  müssen,  werden  die  Spezialzweige  dieser  Wissenschaften