170  Der  Lehrbetrieb  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

Verhältnisse  da  eingeräumt  wird,  wo  es  sich  darum  handelt,  junge
Männer  zu  zukünftigen  Forschern  zu  erziehen.  Die  Betonung  praktischer
  und  wirtschaftlicher  Gesichtspunkte  schon  in  den  grundlegenden
  encyklopädischen  Kollegien  führt  dann  ganz  von  selbst  bei
der  weiteren  Ausgestaitung  des  Uhnterrichtes  zu  der  eingehenderen
Betrachtung  technischer  Spezialgebiete.

Im  Einklang  mit  derartigen  Grundsätzen  steht  es,  wenn  in  dem
auf  etwa  7  Scmester  berechneten  Studium  eines  für  die  Industrie  sich
vorbereitenden  jungen  Chemikers  die  ersten  Semester  mit  Vorträgen
und  Übungen  aus  dem  Gesamtgebiet  der  Chemie  und  Physik  ausgefüllt
  werden.  Erst  in  späteren  Semestern  findet  die  Einführung  in
die  technischen  L.ehrfächer  statt,  zunächst  auch  in  encyklopädischer
Weise,  bis  dann  zuletzt  eine  Reihe  von  besonders  wichtigen  Industriezweigen
  eingehender  und  mit  allen  Einzelheiten  behandelt  wird,
In  allen  Fällen  aber  bleibt  der  Unterricht  hochschulmäßig,  d.  h.  er
verschmäht  jegliche  Art  der  Abrichtung  und  fördert  mit  allen  Mitteln
die  wissenschaftliche  Durchdringung  und  das  tiefere  Verständnis  der
behandelten  Vorgänge.

Die  Art  und  Weise,  wie  der  Unterricht  gegliedert  und  auf
einzelne  Dozenten  verteilt  wird.  ist  an  verschiedenen  Hochschulen
verschieden  und  naturgemäß  zum  Teil  abhängig  von  der  persönlichen
Befähigung  und  Entwicklung  der  vorhandenen  Lehrkräfte.  Man  kann
indessen  zwei  Methoden  unterscheiden,  welche  an  den  verschiedenen
Hochschulen  Deutschlands  zur  Anwendung  gekommen  sind  und  beide
ihre  Vorzüge  und  Nachteile  haben.  Es  kann  nämlich  entweder  cine
Einteilung  vorgenommen  werden,  bei  welcher  der  theoretische  Teil
der  chemischen  Studien  von  dem  mehr  praktischen  Teil  getrennt  und
durch  verschiedene  Dozenten  vertreten  wird,  oder  man  kann  das
durch  eine  Lehrkraft  unter  keinen  Umständen  zu  bewältigende  Gesamtgebiet
  in  anderer  Weise,  nämlich  in  einen  anorganischen  und
organischen  Teil  zerlegen.  Findet  letzteres  statt,  wie  dies  z.  B.  in
Dresden  der  Fall  ist,  so  fällt  sowohl  dem  Vertreter  der  anorganischen
wie  demjenigen  der  organischen  Chemie  die  Aufgabe  zu,  neben  den
theoretischen  Grundlagen  ihres  Lehrgebictes  auch  die  technischen
Gesichtspunkte  vorzutragen  und  zur  Geltung  zu  bringen.  Zweifellos
werden  auf  solche  Weise  unnütze  \Wiederholungen  vermieden  und  es
wird  gleichzeitig  eine  Kontinuität  des  Unterrichtes  geschaffen,  wie  sie
auf  andere  Weise  nicht  erreichbar  ist.  Aber  diese  Einrichtung  setzt
voraus,  daß  die  zu  berufenden  I.chrkräfte  nıcht  nur  die  theoretischen
Grundlagen  ihrer  Wissenschaft  voll  beherrschen,  sondern  auch  in  der