Chemie,  173

schulen,  deren  Unterricht  sich  in  erster  Linie  auf  die  Manipulationen
in  einzelnen,  ihrem  Umfang  nach  streng  begrenzten  Gewerben  bezieht,
ist  es  möglich,  solche  Einrichtungen  zu  treffen,  und  in  der  Tat
existieren  zahlreiche  solche  Fachschulen  in  Deutschland,  welche  den
Charakter  kleiner  Versuchsfabriken  aus  den  betreffenden  Industrie-Gebieten
  besitzen,  und  deren  Besuch  ja  auch  den  Abiturienten  technischer
  Hochschulen  noch  offen  steht,  wenn  sic  sich  im  weiteren  Verlauf
  ihrer  Karriere  einem  ganz  bestimmten  Arbeitsgebiet  ausschließlich
  zuwenden  wollen.  So  haben  wir  Fachschulen  für  Zeugdruck  und
Färberei  in  Mülhausen  i.  Elsat3,  Crefeld,  Berlin,  Cottbus,  Sorau  und
anderen  Orten,  eine  Fachschule  für  Gerberei  zu  Freiburg  i.  Sachsen,
eine  solche  für  Keramik  zu  Bunzlau  und  eine  auch  anderen  Zwecken
gewidmete  keramische  Versuchsanstalt  im  Anschluß  an  die  Königliche
  Porzellanmanufaktur  zu  Berlin.  Für  die  technischen  Hochschulen
  aber  wären  solche  Einrichtungen  völlig  ungeeignet.  Ihre  Aufgabe
  ist  es  nicht,  \Verkmeister  zu  erziehen,  welche  die  Bedienung
einzelner  Apparate  erlernt  haben,  sondern  die  technischen  Chemiker,
welche  sie  ausbilden,  sollen  imstande  sein,  in  das  Wesen  der  in  den
verschiedenartigsten  chemischen  Industrien  sich  abspielenden  Arbeitsprozesse
  einzudringen,  dieselben  zu  erforschen,  fortdauernd  zu  verbessern
  und  neu  zu  errichtende  Betriebe  praktisch  durchzubilden.
Die  experimentellen  Hilfsmittel,  deren  der  in  der  Industrie  tätige
Chemiker  zur  Lösung  solcher  Aufgaben  bedarf,  unterscheiden  sich
nicht  von  denjenigen,  mit  welchen  auch  die  Bearbeitung  rein  wissenschaftlicher
  chemischer  Fragen  erfolgt.  Beim  Besuche  der  verschiedenartigsten
  chemischen  Fabriken  wird  man  sich  davon  überzeugen  können,
daß  ihre  Betriebslaboratorien  nicht  wesentlich  anders  eingerichtet  sind,
als  die  der  reinen  Forschung  dienenden  Staatsinstitute.  Daraus
ergibt  sich,  daß  auch  die  speziell  für  die  Einführung  junger  Chemiker
in  die  technische  Chemie  bestimmten  Laboratorien  der  technischen
Hochschulen  im  allgemeinen  keiner  besonderen  Einrichtungen  bedürfen,
  sondern  nur  so  angelegt  sein  müssen,  daß  sie  die  verschiedenartigsten
  Untersuchungen  ermöglichen  und  sowohl  für  analytische  Arbeiten,
  wie  auch  für  präparative  und  sonstige  mit  größeren  Apparaten
auszuführende  Experimente  sich  cignen.  Die  den  Studierenden  zuzuweisenden
  Plätze  müssen  daher  bedeutend  größer  sein  als  in
analytischen  Laboratorien,  es  muß  gesorgt  sein  für  einen  reichlichen
Zufluß  der  Hilfsmittel  des  Chemikers,  Gas,  \Wasser,  Preßluft,  Dampf
und  elektrischer  Energie,  welche  letztere  sowohl  als  Betricbskraft,  wie
auch  in  ihren  chemischen  Wirkungen  zur  Anwendung  gelangt  und