174  Der  l.ehrbeirieb  in  den  einzelnen  Fachgebieten.

daher  in  ihrer  Spannung  regulierbar  sein  muß.  Für  Versuche,  welche
sich  auf  gewisse  wichtige  Zweige  der  chemischen  Technik,  wie
Färberei,  Papierfabrikation,  Keramik,  Glasindustrie  u.  a.  m.  beziehen,
werden  in  einem  zweckmäßig  eingerichteten  technisch  -  chemischen
I.aboratorium  selbstverständlich  die  allgemein  gebräuchlichen  Spezialapparate
  vorhanden  und  in  betricbsfähigem  Zustande  zu  halten  sein.
Auch  wird  man  bei  der  Anlage  solcher  Laboratorien  dafür  sorgen,
daß  Räume  vorhanden  sind,  in  welchen  präparitive  Arbeiten  in  etwas
größerem  Maßstabe  vorgenommen  werden  können.  Die  Bereitstellung
solcher,  als  „Fabrikslaboratorium‘  bezeichneten  Räume  ist  heutzutage
auch  bei  Neubauten  wissenschaftlicher  Laboratorien  allgemein  üblich.

Es  sind  nicht  so  sehr  diese  verhältnismäßig  einfachen  Vorkehrungen,
  durch  welche  nach  modernen  Anschauungen  sich  die  zum
Unterricht  in  der  technischen  Chemie  bestimniten  Institute  auszeichnen
müssen,  als  vielmehr  die  Methodik  des  in  diesen  Anstalten  erteilten
Unterrichts  selbst.  Wenn  der  Studierende  in  den  Übungen  der  ersten
Semester  gelernt  hat,  das  Wesen  der  chemischen  Reaktionen  zu  verstehen,
  so  fällt  ihm  nun  die  Aufgabe  zu,  sie  in  ihrem  quantitativen
Verlaufe  zu  erforschen.  An  die  Stelle  qualitativen  präparativen  Arbeitens
  tritt  ein  quantitatives  Studium,  genau  so  wie  bei  der  Einführung
  in  die  analytische  Chemie  auf  die  qualitative  Analyse  die
quantitative  folgt.  Der  junge  Chemiker  muß  lernen,  die  Bedeutung
der  Ausbeute  zu  begreifen  und  er  muß  sich  allmählich  ein  Urteil
darüber  bilden,  wie  man  für  die  Erreichung  eines  bestimmten  Zweckes
die  einfachsten,  billigsten  und  am  sichersten  in  einen  größeren
Maßstab  übersetzbaren  Methoden  herausbildet.  Er  muß  aufmerksam
gemacht  werden  auf  die  Bedeutung  von  Nebenreaktionen  und  ihren
Einfluß  auf  die  Hauptreaktion.  Er  muß  sich  üben  in  der  Ausbildung
  und  Anwendung  der  Methoden  zur  Kontrolle  technischer  Vorgänge.


Die  Übungsbeispiele  für  einen  derartigen  Unterricht  werden  zunächst
  dem  regelmäßigen  Betriebe  der  Technik  entnommen,  mit
welcher  zu  diesem  Zwecke  der  I.chrer  wohlvertraut  sein  und  in  steter
Fühlung  bleiben  muß.  Mit  den  gewöhnlichen  Hilfsmitteln  des  Laboratoriums,
  aber  nach  den  Methoden  und  maßsrebenden  Gesichtspunkten
der  Industrie  muß  der  Studierende  derartige  Beispiele  durcharbeiten,
Hat  er  dann  nach  einiger  Zeit  eine  gewisse  Übung  in  derartigen
Arbeiten  erlangt,  so  wird  er  sich  an  die  Bearbeitung  von  Problemen
wagen  dürfen,  über  deren  Einzelheiten  noch  keine  genaueren  Angaben
  vorliegen.  Eine  unerschöpfliche  Fülle  solcher  Probleme  wird