192  Die  einzelnen  technischen  Hochschulen.

polytechnischen  Lehranstalt,  die  den  Titel  höhere  Gewerbeschule  erhielt,
  Karl  Karmarsch  (1803—  1879)  von  Wien  nach  Hannover  berufen.
  Dieser  entwarf  den  Plan  für  die  gesamte  Hinrichtung  der
Schule.  Da  er  seine  Ausbildung  auf  dem  für  jene  Zeit  vorzüglichen
polytechnischen  Institute  in  Wien  erhalten  hatte,  so  wurde  die  höhere
Gewerbeschule  zu  Hannover  im  wesentlichen  diesem  Vorbilde  nachgebildet.


Auch  sonst  war  man  um  die  Gewinnung  erster  Kräfte  für  die
höhere  Gewerbeschule  bemüht,  und  ist  hier  wohl  in  erster  Linie  neben
dem  Direktor  Karmarsch,  der  sich  namentlich  als  gründlicher  Kenner
der  Technologie  einen  weitverbreiteten  Namen  erwarb,  der  Professor
für  Chemie  Friedrich  Heeren  (geb.  1803,  7  1885)  zu  nennen.

So  nahm  die  höhere  Gewerbeschule  im  Jahre  1831  mit  123
Schülern  und  Zuhörern  den  Unterricht  auf,  der  vom  Direktor  Karmarsch
  und  10  l.chrern  erteilt  wurde.  Man  verlangte  zur  Aufnahme
ein  Alter  von  mindestens  15  Jahren  und  Vorkenntnisse,  die  sich  auf
die  Fertigkeit  im  Rechnen  mit  den  4  Rechnungsarten  und  der  Regel
de  tri,  die  ersten  Grundbegriffe  der  Geometrie  und  Geläufigkeit  im
schriftlichen  Gedankenausdruck  nebst  gehöriger  Kenntnis  der  deutschen
Sprache  erstreckten.  Der  Unterricht  umfaßte  Elementar-,  höhere  und
angewandte  Mathematik,  praktische  Gcometrie,  Baukunst,  Maschinenlehre,
  Naturgeschichte,  Physik,  Chemic,  Chemische  Manipulierkunst,
Technologie,  Zeichnen  und  Modellieren,  und  waren  hierfür  insgesamt
51  Stunden  für  Vorträge  und  60  Stunden  für  Übungen  angesetzt.

Für  eine  allgemeine  niedere  Ausbildung,  die  für  den  Handwerker
als  ausreichend  erachtet  wurde,  war  ein  zweijähriger,  für  die  höhere
Ausbildung  im  mechanisch-  und  chemisch-technischen  Fache  eine  drcijährige,
  für  cine  völlige  Ausbildung  im  Baufache  ein  vienjähriger  Lehrgang
  angenomnien.

Der  Unterricht  wurde  nicht  klassenweise,  sondern  nach  einzelnen
frei  wählbaren,  in  sich  abgeschlossenen  Fächern  erteilt.  In  diesem
Umstande  lag,  wie  W.  Launhardt,  der  Nachfolger  Karmarschs  und
erster  Rektor  der  späteren  Hochschule  in  seiner  zum  S0jährigen  Jubiläum
  der  Hochschule  erschienenen  Denkschrift  hervorhebt,  der  wichtige
  und  bedeutungsvolle  Keim  für  cine  akademische  Ausbildung  der
Schule,  trotzdem  sie  besonders  wegen  des  geringen  Maßes  der  Vorkenntnisse
  ihrer  Schüler  im  Anfange  kein  allzu  hohes  Lehrziel  erreichen
  konnte.  So  würde  die  Höchst-Ausbildung,  die  sie  gewährte,
mit  der  eines  modernen  Technikums  ungefähr  zu  vergleichen  sein.

Bald  wurde  für  die  Schule,  die  zunächst  in  gemieteten  Räumen